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Verkehrslenkung : Kein Kreisel: Alle müssen durch die Johannisstraße

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Verkehr vom Kuhberg stadtauswärts soll um die Sparkasse fahren. Gutachter halten neue Strecke für belastbar - mit und ohne Sperrung des Großfleckens

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erstellt am 08.Feb.2014 | 07:00 Uhr

Eine gute und eine schlechte Nachricht für Neumünsters Autofahrer: Der Konrad-Adenauer-Platz vor dem Bahnhof wird (vorerst) nicht im großen Stil umgebaut. Dafür muss der Verkehr auf dem Kuhberg stadtauswärts künftig eine Ehrenrunde um die Sparkasse drehen. Das beschloss der Bauausschuss am Donnerstag bei zwei Enthaltungen der SPD.

Die neue Verkehrslenkung sieht vor, den Kuhberg gegenüber vom Konrad-Adenauer-Platz für den stadtauswärts rollenden Verkehr zu sperren. Stattdessen sollen hier für den stadteinwärts fließenden Verkehr zwei getrennte Fahrspuren für Rechtsabbieger (Richtung Finanzamt) und Geradeausverkehr eingerichtet werden. Das soll vor allem Durchfahrer flotter machen und damit den Bahnhofsplatz insgesamt entlasten.

Der Haken: Die stadtauswärts fahrenden Autos müssen künftig über Kieler Straße und Johannisstraße fahren. Die Einbahnregelung in der schmalen Johannisstraße wird dafür umgedreht.

Autofahrer aus Richtung Gänsemarkt können auch weiterhin auf dem Kuhberg an der Sparkasse vorbeifahren, müssen dann aber am Konrad-Adenauer-Platz links abbiegen. Möglich ist aber auch, diese Strecke künftig nur für Taxen und Busse freizugeben. Darüber ist noch nicht entschieden.

Die Alternative zum geplanten Umbau des Bahnhofsvorplatzes war bereits vor einem Jahr von der Stadt vorgestellt worden und sollte ursprünglich in einem Verkehrsversuch getestet werden. Nach den Erfahrungen auf dem Großflecken nahm die Stadt davon aber wieder Abstand und beauftragte stattdessen das Hamburger Verkehrsbüro SBI, das Szenario am Computer zu simulieren.

Die Hamburger Experten spielten mehrere Varianten mit und ohne Sperrung des Großfleckens durch. Klares Ergebnis: Die Verkehrsführung ist durchaus machbar. „Die Wartezeiten an den Kreuzungen und Einmündungen bleiben kurz. Auch für Fußgänger und Radler sind keine Probleme erkennbar“, erklärte Olaf Drambusch vom Verkehrsbüro SBI vor dem Ausschuss. Was auch den Verkehrsexperten überrascht hat: Die Sperrung des Großfleckens hatte auf die Verkehrsbelastung der Kreuzung Kieler Straße/ Kuhberg offenbar nur wenig Einfluss. Die Hamburger zählten an dieser Kreuzung in der Spitzenstunde 400 Geradeausfahrer, mit Großflecken-Sperrung waren es 320 Fahrzeuge. „Das ist jedoch noch eine normale Schwankung“, sagte Drambusch. Auch der Lkw-Verkehr könne die neue Strecke problemlos befahren, ergänzte die Stadtplanung.

Verlierer der neuen Streckenführung dürften vor allem die Anlieger in der Johannisstraße sein. Durch die Umkehrung der Einbahnregelung könnte sich das Verkehrsaufkommen von derzeit 2500 Fahrzeugen pro Tag auf fast 4500 Fahrzeuge erhöhen, prognostiziert die Stadt.

Die Kosten für den Umbau am Konrad-Adenauer-Platz und die Anpassung der Ampelanlagen schätzt die Stadt auf rund 100 000 Euro – rund 150 000 Euro weniger, als ECE der Stadt für den Ausbau des Bahnhofsvorplatzes bereits vertraglich zugesichert hat. „Wir behalten also 150 000 Euro in der Reserve“, sagte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras.

 

COURIER-KOMMENTAR

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Gerade – und nicht ein großer Halbbogen. Auf den ersten Blick mag es deshalb nicht gleich einleuchtend erscheinen, wenn die Stadt eine gerade Hauptstraße zwischen Gänsemarkt und Bahnunterführung künstlich blockiert. Statt über den Kuhberg am Bahnhofsplatz vorbei sollen Autofahrer stadtauswärts künftig einen Schleife durch die Johannisstraße fahren. Macht das wirklich Sinn? – Auf Dauer sicherlich nicht, aber es ist eine gute Übergangslösung. Denn: Die Holsten-Galerie wird gebaut. Und die Stadt hat sich verpflichtet, bis zum Start den Einkaufscenters eine vernünftige Infrastruktur herzustellen, die Besucher problemlos den Einkaufstempel erreichen lässt. Das Problem: Der Baustellenverkehr zur Holsten-Galerie fließt schwerpunktmäßig über den Bahnhofsplatz. Und gleichzeitig soll die Stadt den ohnehin chronisch überlasteten Platz zum Kreisverkehr umbauen? Das würde am Bahnhof zwangsläufig zum Verkehrskollaps führen. Die Verkehrsplaner dürften drei Kreuze gemacht haben, dass die Stadt den Umbau des Konrad-Adenauer-Platzes vorerst zurückstellt.

Jens Bluhm

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