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Holsteinischer Courier

24. August 2017 | 05:42 Uhr

Wespe, Hornisse & Co. : Kein Grund zur Panik

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hobbyimker Michael Schärf siedelt die Nester von Wespen, Bienen und Hornissen um. Nur zwei von zwölf Wespenarten können zur Plage werden

Neumünster | Bei Familie Thomsen im Tungendorfer Espenweg summt und brummt es. „Wir haben jedes Jahr Bienen und Wespen im wilden Wein. Sie tun uns nichts, und wir tun ihnen nichts“, sagt Ralph Thomsen. Doch in diesem Sommer wurde es auch ihm zu lebhaft und bedrohlich. Die Familie traute sich kaum noch auf ihre Terrasse. Professionelle Hilfe musste ran – und die kam in Person von Michael Schärf.

Der 43-jährige Taxifahrer aus Neumünster ist Hobbyimker und siedelt – mit offizieller Genehmigung der Umweltbehörden – Wespen, Hornissen oder Bienenschwärme um. Die Feuerwehr nannte auf Ralph Thomsens Hilferuf auch Schärfs Telefonnummer.

Ohne Schutzanzug mit Imkerhut und Handschuhen geht nichts. Den Rest der Ausrüstung hat Michael Schärf sich selbst zusammengebastelt. Das Wespenvolk im Unterschlag des Holzschuppens wird mit einem Spezialsauger in einen Eimer abgesaugt. Die Wespen werden hier mit Kohlendioxid betäubt und dann zum Nest gekippt, das Schärf in der Zwischenzeit mit einem Messer vom Schuppen gelöst hat.

Ben-Micha Thomsen (9) ist beeindruckt: So eine filigrane Konstruktion aus Papier hat er noch nicht gesehen. In diesem Fall handelte es sich nicht um die aggressivere Deutsche Wespe oder die Gemeine Wespe. „Die stechen schon mal zu, wenn sie sich bedroht fühlen“, sagt Schärf und empfiehlt: „Ruhe bewahren und Vorsicht beim Trinken von Brause oder Cola aus der Flasche.“ Anhand der Kopfform identifiziert der Imker die Art: Es handelt sich um die friedfertige Sächsische Wespe.

„Weil das Nest schon in Auflösung begriffen ist, haben diese Wespen nichts zu verteidigen und sind wenig aggressiv“, sagt Schärf. Und er macht eine Entdeckung: Parasiten haben das Nest befallen. Schärf nimmt das Nest mit den Sächsischen Wespen dennoch mit und setzt es an seinen Bienenstöcken aus. „Das ist dann gleich ein Indikator, ob die Bienenvölker gesund sind“, sagt er. Bienen verteidigen ihren Stock. Wenn die Wespen eindringen können, ist das ein Zeichen, dass das Bienenvolk krank ist.

Allzu oft muss Schärf nicht eingreifen und ganze Nester umsetzen. Meistens reicht eine Beratung durch den Fachmann und der Tipp: „Ein wenig Abstand halten.“ Bienen, alle Hummelarten, Hornissen und auch zehn der zwölf heimischen Wespenarten stehen unter Schutz. Auch die manchmal etwas lästige Gemeine und Deutsche Wespe erfüllen eine wichtige Funktion im Ökosystem: Ein Volk frisst im Laufe eines Sommers rund 15 Kilogramm Insekten wie Mücken oder Fliegen. Je nach Art endet der Lebenszyklus im Juli oder August. Alle Wespen sterben, nur die Königin überwintert. Infos gibt es unter: www.wespenschutz.com

Kommentar: Konflikten einfach aus dem Weg gehen

Kaum eine Insektenart ruft  so heftige Angstreaktionen hervor wie die Wespe. Dabei gibt es – trotz großer Ähnlichkeiten – die Wespe gar nicht. Es gibt ganz unterschiedliche Arten, und die meisten davon sind friedfertig und stehen unter strengem Schutz. Sie sind nicht gefährlich, sondern selbst gefährdet und stehen deshalb zum Teil auf der roten Liste. Nur zwei der in Deutschland heimischen Wespenarten fliegen auf Cola, Kuchen oder Steak und können deshalb bei der Grillparty schon etwas lästig werden. Aber auch hier helfen einfache Verhaltenstipps, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Für Allergiker können Wespen- oder Bienenstiche  aber  schon gefährlich werden. Doch auch in so einem Fall muss, ja darf man die Nester nicht einfach ausräuchern.  Netzwerke aus Imkern, Naturschutzverbänden und Behörden helfen bei der Umsetzung des Nestes.

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von
erstellt am 08.Aug.2014 | 15:00 Uhr

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