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Boostedt : „Kein Grund, etwas anders zu machen“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Kritikgespräch zwischen Bürgermeister und Bürgerinitiative über die Flüchtlinge verlief ohne Annäherungen.

Boostedt | Nach der Kritik durch die, vor Kurzem gegründete Bürgerinitiative Boostedt (der Courier berichtete) zum Handeln der Gemeinde in Bezug auf die Erweiterung der Flüchtlingserstaufnahmestelle hatte Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU) die Sprecher der Gruppe Dietmar Kühl und Jörg Möller am Montagabend zu einem informellen Gespräch eingeladen. In der Runde dabei waren außerdem die Fraktionssprecher Bernd Schauer (SPD) und Wolfgang Brückner (CDU) sowie Franz Strompen (WiB) und Hartmut David (Arbeitskreis Flüchtlingspartnerschaft der Kirchengemeinde). Die Verwaltung wurde durch den Leitenden Verwaltungsbeamten Sven Plucas vertreten.

In ihren Ausführungen erklärten Kühl und Möller, dass es in der Bevölkerung mittlerweile massive Ängste und Vorbehalte gegenüber der Anzahl der Flüchtlinge gebe. „Viele Frauen gehen nicht mehr bei Netto einkaufen. Und auch die jungen Mädchen fühlen sich im Bus oder am Bahnhof nicht mehr wohl“, gab Jörg Möller Beispiele. Nach Gesprächen im Freundes- und Bekanntenkreis gehe er davon aus, dass 70 Prozent der Boostedter gegen eine Belegung der Einrichtung mit 2000 Personen seien. „Man kann uns nicht in die rechte Ecke stellen. Wir sind klar für die Aufnahme von Flüchtlingen. Aber das Verhältnis muss stimmen. Die Menschen fühlen sich in Boostedt nicht mehr wohl. Deshalb bleiben wir bei unserer Forderung, die Anzahl auf 1000 Personen zu begrenzen. Dafür soll sich der Bürgermeister beim Land einsetzen“, formulierte Dietmar Kühl das Anliegen der Initiative, der nach seinen Angaben zurzeit 72 Mitglieder angehören.

Auf Nachfrage aus dem Teilnehmerkreis konnten die beiden jedoch keine konkreten negativen Vorkommnisse benennen. Auch blieben sie eine Antwort auf die Frage, wo die Flüchtlinge denn sonst hin sollten, schuldig. Hartmut König sowie auch die anderen Gesprächsteilnehmer bekräftigten ihre Einstellung, dass die Hilfe, die die Gemeinde leiste, ein humanitärer Akt der Menschlichkeit sei. „Keiner sagt, dass die Situation leicht ist. Aber wir können die Menschen nicht im Freien campieren lassen. Außerdem haben wir keine Handhabe auf die Belegung der Einrichtung. Dies ist alleinige Sache des Landes“, erklärten die kommunalpolitischen Vertreter. Man nehme die Sorgen der Boostedter ernst und werde auch wie bisher am ständigen Dialog mit den Bürgern festhalten. „Aber es gibt im Grundsatz keine Ansätze, etwas anders zu machen. Für die Landespolitik bin ich nicht verantwortlich. Ich muss sehen, dass das Dorf weiter funktioniert“, sagte König. Bisher klappe dies – auch dank der vielen Helfer und der Gelassenheit der meisten Boostedter – gut. Es sei weder zu tätlichen Übergriffen noch zu signifikanten Reibereien zwischen den Gruppen gekommen. „Ängste kann man nicht wegdiskutieren. Aber man muss hinterfragen, auf welcher Basis diese fußen. Nur Gerüchte und Vermutungen bringen Unruhe“, so König.

Bestätigt wurde dies auch von Franz Strompen und Hartmut David, die übereinstimmend erklärten, dass sie weder in der Aufnahmestelle noch im Ort die von der Bürgerinitiative beschriebene Stimmung wahrnehmen würden.

Letztlich ging man mit dem Gefühl auseinander, sich besser kennengelernt zu haben. Doch die unterschiedlichen Positionen konnten mit diesem Gespräch wohl nicht überwunden werden.


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