Gartenstadt : Kein Ersatz für die Fußgängerbrücke

Zu teuer: Die Stadt will die seit Oktober 2013 gesperrte Fußgängerbrücke an der (alten) Rendsburger Straße nicht erneuern lassen. Einen schlichten Bahnübergang als Ersatzlösung lehnt die Bahn aus Sicherheitsgründen ab.
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Zu teuer: Die Stadt will die seit Oktober 2013 gesperrte Fußgängerbrücke an der (alten) Rendsburger Straße nicht erneuern lassen. Einen schlichten Bahnübergang als Ersatzlösung lehnt die Bahn aus Sicherheitsgründen ab.

Bauausschuss legt Pläne für eine neue Brücke an der alten Rendsburger Straße zu den Akten. Eine Bahnüberführung lehnt die Bahn ab

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31. Januar 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | Im Streit um eine Ersatzlösung für die marode Fußgängerbrücke an der alten Rendsburger Straße zieht die Stadt die Notbremse: Nach dem derzeitigen Stand wird es nach dem Abriss der Brücke weder eine neue Brücke noch einen Bahnübergang geben. Mit neun Stimmen bei einer Enthaltung der FDP legte der Bauausschuss am Donnerstagabend die Pläne für die Brücke zu den Akten. Die bereits im Haushalt vorgesehenen Planungskosten von 100  000 Euro sollen auf Vorschlag von Franka Dannheiser (SPD) jetzt in die Schulwegsicherung fließen.

Auslöser für die überraschende Kehrtwende der Politik ist offenbar die harte Linie der Bahn, ohne deren Genehmigung die Stadt nicht bauen kann, auch wenn sie den Löwenanteil der Baumaßnahme selbst tragen würde. In den Verhandlungen lehnten die Bahner den von der Stadt vorgeschlagenen beschrankten Bahnübergang anstelle der Brücke rundweg ab. Begründung: Mit dem Bahnübergang sei der hohe Sicherheitsstandard einer Brückenlösung nicht erreichbar (der Courier berichtete). Eine Verpflichtung der Bahn, an dieser Stelle eine Querung zu schaffen, gibt es nicht.

Der Alternative, dem Neubau einer Fußgängerbrücke, hätte die Bahn nach Auskunft der Stadtverwaltung zwar zugestimmt, aber davon wollte der Bauausschuss am Donnerstag nichts mehr wissen: Mehrmals waren im Ausschuss große Pläne für eine Brücke – sogar mit Rampenauffahrten oder behindertengerechten Fahrstühlen – diskutiert, letztlich aber als zu teuer abgelehnt worden. Baukosten von 1,7 Millionen Euro standen im Raum – ohne Abriss- und Planungskosten.

Ausschlaggebend für den Rückzug der Ausschussmitglieder war letztlich aber die Einschätzung von Bauamtschef Ralf-Joseph Schnittker. Er halte es für ausgeschlossen, dass ein Bahnübergang günstiger als die Brücke ausfallen könnte, stellte Schnittker klar. Er verwies dabei auf die besondere Situation an der (alten) Rendsburger Straße. Die Schallschutzwände, die Anlieger vor dem Bahnlärm schützen sollen, reichen hier bis dicht an die Gleise heran. Sie würden den Ausbau einer sicheren Bahnquerung erschweren, erklärte Schnittker.

Die CDU hielt sich allerdings noch ein Hintertürchen offen. Man werde einen neuen Anlauf unternehmen zu hinterfragen, ob der Bahnübergang tatsächlich so teuer ausfallen müsse, wie das der Bahn behauptet, kündigte Thomas Michaelis an.

Das Aus für den Bahnübergang hatte sich bereits am Mittwochabend in der Sitzung des Stadtteilbeirates angedeutet. Anlieger hatten dort kritisch hinterfragt, wie stark die Brücke in der Vergangenheit tatsächlich frequentiert worden sei. Vor allem Eltern aus den Wohngebieten nördlich der Bahntrasse hatten dagegen in den vergangenen Monaten wiederholt einen zügigen Ersatz für die marode Brücke gefordert. Seit der Sperrung im Oktober 2013 müssen ihre Kinder auf dem Weg zur Gartenstadtschule jetzt entweder den Fuß- und Radweg parallel zum Autobahnzubringer über die Bahn nutzen oder über den Bahnübergang am Stoverseegen radeln und dann den Osterhofpark durchqueren. Beide Trassen halten die Eltern gerade im Winter für gefährlich.

Gartenstadts Stadtteilvorsteher Martin Kriese zeigte sich gestern enttäuscht über die Entscheidung: „Das ist eine klare Verschlechterung für die Gartenstadt.“ Er könne aber auch die Argumentation im Bauausschuss nachvollziehen, sagte Kriese: „1,7 Millionen Euro sind angesichts der Haushaltslage der Stadt kein Pappenstiel.“

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