Keim-Ausbruch : Keim-Alarm im FEK, aber: „Keine Gefahr“

Nur noch mit Mundschutz, Schutzanzug, Haube und Handschuhen gehen die Hygienefachkräfte Roman Kriegs (rechts) und Ursula Jens zu den zwei isolierten Patienten. Sie schulen auch das Personal im korrekten hygienischen Verhalten.
Nur noch mit Mundschutz, Schutzanzug, Haube und Handschuhen gehen die Hygienefachkräfte Roman Kriegs (rechts) und Ursula Jens zu den zwei isolierten Patienten. Sie schulen auch das Personal im korrekten hygienischen Verhalten.

Ausbruch des MRGN-Keims im FEK festgestellt / Kontakt-Patienten wurden ermittelt / Keine Gefahr für Besucher von außerhalb

shz.de von
25. Juli 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | Keim-Alarm im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK): Der tückische, multiresistente MRGN-Keim ist von einem FEK-Patienten an zwei Patienten, die stationär behandelt werden, weitergegeben worden. Das wurde bereits am Montagabend festgestellt; die Betroffenen wurden isoliert. Außerdem wurden fünf weitere Kontaktpatienten ermittelt. Einer von ihnen ist inzwischen gestorben – aber nicht am Keim.

Im FEK liegt eine so genannte Besiedelung vor. „Das heißt, die Patienten tragen den Keim auf sich. Es ist keine Infizierung mit gesundheitlicher Problematik, das muss man unterscheiden“, stellte FEK-Geschäftsführer Alfred von Dollen gestern vor der Presse fest. Es bestehe daher keine Gefahr – weder für Besucher oder Patienten noch für Menschen außerhalb der Klinik.

Das Bakterium, das gegen fast alle verfügbaren Antibiotika resistent ist, hatte Anfang dieses Jahres im UKSH Kiel 13 Todesfälle verursacht und ist seitdem als „Kieler Klinik-Keim“ bekannt. Was beim Auftreten des Erregers „Acinetobacter baumannii“ passieren muss, ist klar geregelt: Gleich am ersten Tag meldete das FEK den Befund an das Gesundheitsamt und ergriff umfassende medizinische und hygienische Maßnahmen. Bei allen potenziellen Keimträgern wurden Abstriche gemacht und alles umfangreich gereinigt. „Gefährlich ist der Keim nur für Risikopatienten, die große Wunden nach einer OP haben oder wundgelegen sind“, erklärt Krankenhaushygieniker Dr. Matthias Horstkotte vom Labor Lademannbogen aus Hamburg, mit dem das FEK kooperiert. Als Risikopatienten gelten auch Menschen, die aus dem Orient, Ägypten oder Syrien kommen und dort in Krankenhäusern lagen. „Diese Risikopatienten werden nach Vorgaben des Robert-Koch-Instituts aber sowieso beim Einchecken herausgefiltert“, erklärt Horstkotte. Im häuslichen Umfeld geht keine Gefahr von dem Keim aus, selbst wenn Menschen ihn auf sich tragen.

Jeder der Verdachtsfälle ist jetzt elektronisch registriert. Der ursprüngliche Keimträger-Patient war zweimal im Juni im FEK, wurde Mitte Juli entlassen und ist jetzt in seinem Pflegeheim; ein weiterer Kontaktpatient ebenfalls. „Die Heimleitung ist informiert, der Befund ist noch offen und geht an die Heimaufsicht“, so Maren von Dollen.

Zwei weitere Kontaktpatienten waren nach Hause entlassen worden, aber für ambulante Behandlungen wieder im FEK vorstellig. Von ihnen wurden gestern Abstriche genommen; die Ergebnisse werden Mitte bis Ende nächster Woche erwartet, so von Dollen. Kontaktpatient Nummer 4 ist nicht betroffen. Kontaktpatientin Nummer 5 zählte nicht als Verdachtsfall, ist aber verstorben. Dr. Alexandra Barth, Leiterin des Gesundheitsamtes, erklärt das: „Es war eine 96-Jährige, die an den Folgen ihrer Krebserkrankung verstarb. Wenn ich es für nötig halten würde, könnte ich eine Obduktion anordnen. Es war aber so offensichtlich, dass der Keim nicht die Ursache für ihren Tod war, dass wir aus Pietät darauf verzichten.“

Sie zieht ein vorläufiges positives Fazit über die Zusammenarbeit: „Das FEK hat die Situation vollständig im Griff. Es wurden die richtigen Maßnahmen ergriffen, zum Teil über das notwendige Maß hinaus.“

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