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Landesweite Aktion : Katzenkastration: Nachfrage gering

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landesweite Aktion spricht sich erst allmählich herum / Tierärzte wurden sehr kurzfristig informiert / Fachleute regen Nachbesserungen an

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die landesweite Katzenkastration, die am Dienstag begann, stößt insgesamt auf eine positive Resonanz. „Das ist toll, darauf haben wir lange gewartet“, sagt Gisela Bünz, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Allerdings müsste nachgebessert werden bei den Zeiträumen der Kastration und dem Personenkreis, der gratis seine Katze kastrieren lassen kann, so ihr Tenor und der zweier Tierärzte. Auch die Kurzfristigkeit des Informationsflusses wird bemängelt: „Ich habe davon aus der Zeitung erfahren“, sagt Gisela Bünz.

Die Aktion ist klar: Aus einem 150 000-Euro-Fonds, gespeist von verschiedenen Organisationen, wird die Kastration von Katzen und Katern bezahlt oder bezuschusst (der Courier berichtete), je nachdem, ob es sich um Hartz-IV-Empfänger oder Normalverdiener handelt. „Katzen kastrieren zu lassen, ist bei uns tägliches Thema. Katzen müssen nicht einmal werfen, sondern sollten gleich kastriert werden, sowohl Freigänger als auch Wohnungskatzen. Außerdem sollte der Zeitraum bis Mai erweitert werden, nicht im März aufhören“, sagt Gisela Bünz, die vor Ort schon manche Kastrationsaktion organisiert hat. „Wir geben Gutscheine aus.“ Streunerkatzen werden im Tierheim aufgenommen, sind aber schwer vermittelbar: „Wir bleiben auf den Kosten sitzen.“ Die Kastration selbst ist für die Tierheime kostenlos – so steht es in einem Rundschreiben der Landestierärztekammer, das aber den Tierheimen nicht vorliegt.

Und bei manchen Ärzten erst einen Tag nach der Veröffentlichung – viele wussten nichts von der Aktion, auch wenn im Vorfeld davon gesprochen wurde. „Ich bin schon ein bisschen überrascht gewesen“, sagt Tierarzt Dr. Johannes Frahm aus Wasbek. Er hält die Aktion, herrenlose Tiere zu kastrieren, grundsätzlich für eine „gute Idee“. Doch er schlägt Nachbesserungen vor: „Warum sollten Normalverdiener Ermäßigungen bekommen? Die sollten aus eigener Tasche bezahlen, damit Rentner, die nicht Hartz IV beziehen, auch davon profitieren.“ Das sieht auch Dr. Ulf Böhme so, der eng mit dem Tierheim zusammenarbeitet: „Es gibt eine Grauzone nach Hartz IV; für Menschen mit schmalem Einkommen sind 75 Euro viel Geld.“

Beide Ärzte und auch das Tierheim haben bisher so gut wie keine Nachfragen zu verzeichnen – die Aktion hat sich noch nicht herumgesprochen. Außerdem seien die Streuner das eigentliche Problem. Frahm: „Wer soll die Streuner fangen? Das wird schwierig, meistens sind es dann die Tierschutzorganisationen, die das machen.“ Frahm will die Bilanz der Aktion, die bis September 2015 läuft, erst einmal abwarten: „Wenn nur 5 000 von 75 000 Tieren kastriert werden, ist fraglich, ob die Natur das nicht ganz schnell wieder repariert.“ Man müsste diese Aktion weitertreiben, um die Populationen nachhaltig zu dezimieren.

 

Kommentar

Gute Idee, aber holprige Kommunikation

Endlich eine Aktion zu starten, um dem Katzenstreuner-Problem ansatzweise Herr zu werden, ist lange überfällig und rennt bei Tierschützern offene Türen ein. Wenn aber landesweit agiert wird, wäre es gut gewesen, alle Beteiligten rechtzeitig  ins Boot zu holen. Die Tierärzte hätten schon vor Wochen informiert werden können, die Tierschutzvereine ebenfalls, damit sie den „Kunden“ dieser Aktion korrekte Informationen geben können. Da hapert es. Dass die Landesärztekammer erst kurz nach der Medienveröffentlichung manche Tierärzte informierte, sieht nach einem Schnellschuss aus. Auch der Kreis derjenigen, die gratis kastrieren lassen dürfen, ist nachbesserungswürdig. Die dringendste Frage aber: Wer fängt die vielen Streuner ein? Viele Katzenliebhaber melden sich beim Tierschutzverein Neumünster und nehmen Käfige nach Hause. Aber bei der Dimension von 75 000 Tieren landesweit  müssten sich  ganze Heerscharen von Fängern auf den Weg machen. Das ist fraglich.

Gabriele Vaquette

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