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Tierschutz Neumünster : Katzen-Kastration: Mit der Falle auf der Lauer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Tierschützer fangen wilde Katzen für Kastration ein / Auch sozial schwache Katzenbesitzer können kommen

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Zwischen Müllbeuteln, Blumentöpfen und Holzbrettern schaut eine Katze hervor, als Eddi Enver mit dem Löffel an der Schüssel klappert. Auf dem Hinterhof des 45-Jährigen, der einen Dönerladen an der Friedrichstraße betreibt, lebt eine Familie wilder Katzen. „Erst war nur eine da, die hat mein Vater mit Resten gefüttert. Sie hat sich so gut versteckt, dass wir nicht mitbekommen haben, dass sie Junge bekommen hat“, sagt er und freut sich über den Besuch von Marion Hilse vom Tierheim Wasbek. Die hat eine Falle dabei, denn der Verein „Gestrandete Pfötchen“ beteiligt sich an der landesweiten Kastrationsaktion für freilebende Katzen.

Die Falle wird dort aufgestellt, wo Enver die Katzen auch sonst füttert. „Die aufgestellten Fallen lassen wir höchstens eine Stunde unbeaufsichtigt, um den Stress der Tiere zu verringern“, sagt die Vereinsvorsitzende Bianca Schenk. „Wir haben täglich mit dem Leid der Fundkatzen zu tun, die Kastration steht bei uns im Fokus. Das sind die Nachkommen ausgesetzter oder entlaufender unkastrierter Katzen“, sagt sie. Eine Situation wie in dem Hinterhof an der Friedrichstraße ist typisch – in versteckten Winkeln können sich Katzenkolonien entwickeln. „Bei den Kleinen haben wir eine Chance, sie zu sozialisieren und zu vermitteln“, sagt Bianca Schenk. Sie erzählt von einer wilden Mutterkatze, die ihre abgemagerten Jungen in die Nähe eines Hauses in Wasbek schleppte und kläglich maunzend um Hilfe zu bitten schien. „Wild“ ist sie vielleicht nicht, ein großer Teil der Katzen, die sich anfangs wild zeigen, hatten doch mal ein Zuhause und zeigen sich schon nach kurzer Zeit dankbar für einen gefüllten Futternapf“, sagt Bianca Schenk.

An der landesweiten Aktion nimmt der Verein zum ersten Mal teil. Aus einem Fonds in Höhe von über 200  000 Euro werden die Tierarztkosten bezahlt. Wilde Katzen leben nicht nur in der Innenstadt, sondern auch an der Oderstraße im Industriegebiet oder in Kleingärten. „Die Parzellenbesitzer geben jetzt zum Winter ihre Gärten auf, hatten bisher gefüttert, jetzt nicht mehr. Dort kämpfen die Tiere wirklich um ihr Leben“, sagt Bianca Schenk.

In der Heinrich-Förster-Kolonie oder zwischen Ehndorfer und Lindenstraße sind auch die Mitstreiter von Susanne Eckmann von der Tierhilfe unterwegs. „Leider lässt der Druck nicht nach“, sagt sie. Der Verein nimmt schon immer an der Aktion teil. „Wir würden uns mehr problembewusste Katzenbesitzer wünschen, die darüber nachdenken, wie es ungewollten Katzenkindern in der freien Natur geht.“

Doch die Ursache für zu viele wilde Katzen liegt noch woanders: Wenn mehr bei Menschen lebenden Katzen kastriert wären, gäbe es keinen ungewollten Nachwuchs. „Die Behauptung von Katzenbesitzern, die Tiere würden nur drinnen leben, kann man vergessen. Wenn der Ruf der Natur ertönt, sind sie draußen. Gerade Kater laufen auf Brautschau viele Kilometer“, sagt Bianca Schenk. „Katzen müssen nicht einmal in ihrem Leben Junge bekommen, ehe sie kastriert werden“, räumt Susanne Eckmann mit einem weiteren Vorurteil auf. Die Tierhilfe fängt wilde Katzen ein und bietet Katzenbesitzern an, die Hartz IV beziehen, ihre Katzen gegen eine Zuzahlung von 30 Euro kastrieren zu lassen. Susanne Eckmann kennt diverse Fälle von Katzenvermehrung: „Das geschieht ohne Nachdenken, einfach gedankenlos.“

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