Tierauffangstelle Neumünster : Katze fest verschnürt ausgesetzt

Traumatisiert und mit Angst im Blick sitzt 'Maria' in ihrem Katzenklo. Foto: Vaquette
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Traumatisiert und mit Angst im Blick sitzt "Maria" in ihrem Katzenklo. Foto: Vaquette

Eine Frühdienst-Mitarbeiterin entdeckte am Mittwochmorgen eine Wanne vor dem Tierheim in Neumünster. Darin lag Katze "Maria" - verschnürt und vergepackt wie ein Paket.

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29. Dezember 2012, 12:04 Uhr

Neumünster | Was für ein Schrecken in der Tierauffangstelle am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages: Als die Mitarbeiterin Gritje Nikisch morgens um 6 Uhr zum Frühdienst erschien, stand vor dem Tor des Tierheim eine blaue Plastikwanne, um die ein grüner Plastiksack gebunden war. Eine Katze versuchte verzweifelt, sich aus der Wanne zu befreien. Vielleicht hatte es der Vorbesitzer gut gemeint, sie so fest in der Wanne zu verschnüren - das Gegenteil war der Fall. "Sie hätte ersticken können", sagt Gisela Bünz, die Vorsitzende des Tierschutzvereins.
Denn der Plastik-Müllsack war mit Hilfe eines Bademantel-Gürtels ganz fest um die Wanne festgezurrt, sodass die Katze, die Gisela Bünz auf etwa ein bis zwei Jahre alt schätzt, nicht hinaus konnte. "Im Müllsack waren keine Luftlöcher, die Katze war verschnürt wie ein Paket", betont sie und zeigt die Wanne und den Sack. Schätzungsweise am Abend des ersten Feiertages oder in der Nacht zum zweiten war die Katze dort abgestellt worden, ist Gisela Bünz Vermutung. Denn beim Regen in der Nacht bildete sich auf dem Plastiksack eine Pfütze, die sich Richtung Wannenboden bog. Als es dann zu eng wurde, muss die Katze wohl angefangen haben, sich in ihrer Verzweiflung und aus Todesangst heraus zu befreien. Sie hing aber dann zwischen Wanne und Plastiksack so unglücklich im Schlitz fest, dass sie laut Gisela Bünz "nicht vor und nicht zurück" konnte. Gritje Nikisch befreite die Katze aus ihrer misslichen Lage.

Ein Tier auszusetzen ist eine Straftat

Seitdem sitzt das Tier völlig verstört auf dem Katzenklo in einem Käfig, schaut mit Angst und Panik jeden Menschen an, der sich ihr nähert. Die Katze frisst nicht, rührt sich kaum und macht eigentlich gar nichts, außer zu begreifen, dass sie jetzt nicht mehr zu ersticken droht. "Sie ist traumatisiert", sagt Gisela Bünz.
Sie würde gerne eine Anzeige erstatten, denn ein Tier auszusetzen, ist eine Straftat. "Aber wir würden nichts erreichen, das nützt nichts. Trotzdem wären wir natürlich dankbar für Hinweise, die uns zu dem Vorbesitzer führen." Die Katze hat laut Gisela Bünz bereits einmal in ihrem Leben Junge geworfen, denn ihr Gesäuge ist entsprechend ausgebildet - das kann auch vor mehreren Monaten gewesen sein. Sie ist braun-beige-meliert. Ihr Fell ist verklebt, das könnte aber auch von der Episode in der Wanne herrühren, sagt Gisela Bünz.
Die Katze, die die Tierheimleiterin auf den Namen Maria getauft hat, ist nicht abgemagert, aber auch nicht in einem wirklich guten Zustand. "Das ist für sie jetzt immer noch ein Alptraum. Es wird noch lange dauern, bis sie sich davon erholt hat", ist sich Gisela Bünz sicher. Sie weiß aus Erfahrung: "Vernünftige Leute machen so etwas nicht, ein Tier einfach auszusetzen. Bei den anderen nützen Appelle nichts. Aber wenn man ein Tier nicht halten kann, soll man es bei uns abgeben. In der Not haben wir noch nie jemanden abgewiesen. Um einem Tier den Übergang zu erleichtern, ist es unbedingt nötig, seine Vorgeschichte zu kennen."

Hinweise werden - auch vertraulich - unter Tel. (04321) 53779 entgegegengenommen.

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