Neumünster : Katholiken bauten in Rekordzeit

Die Pfarrkirche St. Maria-St. Vicelin hat eine abwechslungsreiche Geschichte und sucht ihresgleichen im Norden.
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Die Pfarrkirche St. Maria-St. Vicelin hat eine abwechslungsreiche Geschichte und sucht ihresgleichen im Norden.

St. Maria-St. Vicelin wird 125 Jahre alt. Erste Messe schon Heiligabend 1893 . Kirchenführungen zu bestimmten Themen.

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22. Februar 2018, 12:30 Uhr

Neumünster | Fast genau vor 125 Jahren am 17. Februar 1893 begann der Bau der katholischen Kirche St. Maria-St. Vicelin. In heute unvorstellbar schnellen zehn Monaten war es damals vollbracht: Schon zu Heiligabend 1893 konnte die erste Heilige Messe gefeiert werden.

„Das wollen wir feiern mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kirchenführungen“, sagt Gemeindemitglied Wolfgang Fricke. Die Führungen sollen den Besuchern ab dem 2. März St. Maria-St. Vicelin unter historischen, künstlerischen und liturgischen Gesichtspunkten näher bringen. Geplant sind auch eine spezielle Kirchenführung für Atheisten, Agnostiker und andere „Heiden“ und musikalische Rundgänge sowie Führungen für „Jünger des Smartphones“ oder Familien mit kleinen Kindern.

Der offizielle Festakt soll am Sonntag, 1. Juli, mit einem Gottesdienst gefeiert werden. Die Predigt wird der frühere Erzbischof Dr. Werner Thissen halten.

Ein katholische Gemeinde gibt es schon seit 1866 in Neumünster. Erstes Kirchgebäude war ein alter Fabrikbau auf dem Gelände der Sagerschen Tuchfabrik, den die Gemeindemitglieder dem Fabrikanten Sager abkauften.

1888 schnellten die Zahlen der Katholiken in Neumünster von 300 auf über 800. „Hintergrund war ein großer Streik. Die katholischen Arbeiter wurden ganz gezielt als Streikbrecher aus dem Eichsfeld und Süddeutschland angeworben“, weiß Fricke zu berichten. Die Finanzierung des ersten richtigen katholischen Kirchbaus war nicht einfach. „Die Gemeinde bestand ja nur aus armen Textilarbeitern“, so Fricke.

St. Maria-St. Vicelin ist eine Kirche mit vier Gesichtern, denn in den vergangenen 125 Jahren hat sich das Innere des Kirchenbaus mehrere Male drastisch verändert. Musste sich der erste Pfarrer Augustin Lohmeyer noch auf das – wie er selbst sagte – „Allernotwendigste“ beschränken, zogen mit Lohmeyers Nachfolger Gustav Maria Münster dann Schmuck und Pracht ein. Georg Chrusecz malte die Kirche prächtig aus, Bildhauer Anton Rüller schnitzte den spätgotischen Herz-Jesu-Altar und zahlreiche Heiligenfiguren. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil folgte dann der „Bildersturm“. Es wurde viel schlichter, Kanzel, Hochaltar und die Heiligenfiguren verschwanden im Keller oder auf dem Dachboden. „Das war der Zeitgeist, es wurde etwas protestantischer“,
sagt Fricke. Unter Pfarrer Hermann Haneklaus wurde die Kirche dann 1994/95 nochmals grundlegend umgestaltet. Diesen Weg wollen Fricke und seine Mitstreiter in den historischen Führungen jeweils am Freitag, 2. März, 6. April, 4. Mai und 8. Juni zwischen 17 und 19 Uhr nachzeichnen. Eine Führung dauert etwa 45 Minuten und ist wie die weiteren Führungen ohne Anmeldung und kostenfrei möglich.

Künstlerische Führungen gibt es am 9. März, 13. April, 25. Mai und 15. Juni (jeweils zwischen 17 bis 19 Uhr). Termine für die liturgische Führungen sind der 16. März, 20. April, 18. Mai und 22. Juni (immer freitags zwischen 17 und 19 Uhr). Die Führung für Atheisten ist am 23. März von 17 bis 19 Uhr, die musikalische Führung am 27. April zwischen 17 und 19 Uhr, die Führung für „Jünger des Smartphones“ am 1. Juni zwischen 17 und 19 Uhr und die für Familien am 2. Juni von 14 bis 16 Uhr.

>>Internet: www.125-st-vicelin.de

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