Tierheim : Kater Igor: Ein Fundtier im Glück

„Der gehört hierher“: Das wusste Anka Tudor (44) genau, als Kater Igor im August bei ihr in Wittorf einzog – und es geht ihm sichtlich gut.
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„Der gehört hierher“: Das wusste Anka Tudor (44) genau, als Kater Igor im August bei ihr in Wittorf einzog – und es geht ihm sichtlich gut.

Das Tierheim an der Geerdtsstraße bekommt jede Menge Post von den neuen Besitzern der vermittelten Hunde und Katzen

shz.de von
01. Januar 2015, 10:00 Uhr

Neumünster | Kater Igor springt aufs Sofa, schmiegt sich auf den Schoß von Anka Tudor. Im August hat der schmucke schwarze Kater ein neues Zuhause bei der Wittorferin gefunden und hat auch ein Kärtchen an die Tierauffangstelle geschrieben, wo er gelandet war. Gisela Bünz, Vorsitzende des Tierschutzvereins, hat das Kärtchen extra aufbewahrt: „Von solchen Rückmeldungen bin ich sehr gerührt.“

„Schnurrende Weihnachtsgrüße“ – so unterschreibt Igor sein Kärtchen. Ein Foto ist auch in die Karte geklebt und zeigt ihn wie hingegossen auf einer Bettdecke. „Wie Ihr sehen könnt, geht es mir so richtig gut. Meine neue Familie hat großes Verständnis dafür, dass ich am besten in ihren Betten schlafen kann. Mein Lieblingsfutter ist Dosenfutter. Leider bekomme ich das nur sparsam, weil ich eine kleine Plautze bekommen habe. Den Kühlschrank bekomme ich auch noch nicht alleine auf, aber daran arbeite ich“, „erzählt“ Igor munter.

Anka Tudor (44) wollte nach dem Tod ihrer Katze Minchen unbedingt eine neue Katze. Als sie Igor sah, war die Entscheidung klar: „Das passte sofort.“ Als der im neuen Zuhause am Otterweg einzog, war sie sicher: „Der gehört hierher.“ Neun Monate war Igor zuvor im Tierheim gewesen. Sein vorheriger Besitzer war nicht mehr an dem Kater interessiert.

Im Tierheim war es Igor nicht so gut ergangen; als „Platzhirsch“ war er mit vielen anderen Katzen nicht ausgekommen. „Er hatte ein fürchterliches Fell, sah aus wie ein alter Feudel und fraß schlecht. Die Tierheim-Mitarbeiter waren sehr froh, dass er vermittelt wurde“, sagt Anka Tudor. Heute glänzt Igors Fell, und wenn sich ein Familienmitglied – Anka Tudors Freund, ihr Sohn Clemens (13) oder Tochter Tonka (10) – dem Kühlschrank nähert, geht er auf die Hinterbeine: Jetzt könnte es Dosenfutter geben! Kurzum – Igor hat sich gut eingelebt und wird verwöhnt. Das schreibt er auch: „Meine Familie habe ich gut erzogen, sie lassen mich eigentlich nie lange vor verschlossenen Türen sitzen. Mittlerweile bin ich viel verschmuster als am Anfang.“

Auch andere tierische Grüße hängen am schwarzen Brett in der Tierauffangstelle. „Wir kriegen viel Post, das ganze Jahr über. Das entschädigt für so manches Trauriges oder Ärgerliches“, sagt Gisela Bünz. Regelmäßig schreiben beispielsweise die Katzen Mimi und Momo vom Brahmsee. Eine Scheckkopie über 100 Euro mit einem Foto von drei glücklichen Katzen hängt auch am Brett: „Für die, die nicht so viel Glück haben wie diese drei!“ „Hey, Leute, ich habe ein neues Zuhause und einen neuen Freund, mein Kumpel Lui“, steht auf einer Collage von Kater Leo. Auch Kater Danny wünscht ein schönes Weihnachtsfest mit einer Foto-Postkarte. Sehr gerührt war Gisela Bünz auch von den Geschenken der „Pfötchen-Treff“-Gruppe aus Padenstedt: „Die kamen mit Kindern vorbei und zwei Ladungen Geschenken, Futter und Zubehör, alles war liebevoll eingepackt und mit Schildern versehen“, sagt Gisela Bünz.

Rund 450 Katzen, Hunde, Kaninchen und andere Tiere sind in diesem Jahr vermittelt worden. Beim Vermitteln schaut sie genau hin, in welche Verhältnisse ihre Schützlinge kommen: „Freigänger dürfen nicht in kleine Wohnungen. Bei Hunden ist der Zeitfaktor wichtig, große kräftige Hunde kommen nur zu Leuten mit Hunde-Erfahrung. Familien mit kleinen Kindern bekommen Tiere nur in Ausnahmefällen“, zählt sie einige Grundregeln auf. Das kann auch zu Diskussionen führen – „aber auch wenn manche sehr enttäuscht sind, schauen wir genau, ob das passt.“ Im Zweifelsfall bringt sie die Tiere persönlich ins neue Zuhause – „wenn ich das Gefühl habe, etwas stimmt nicht, nehme ich das Tier gleich wieder mit.“

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