Erstaufnahme in Neumünster voll : Katastrophenstab entscheidet: 400 Flüchtlinge in SH ziehen in Turnhalle ein

In der Gesamtschule Brachenfeld sollen Flüchtlinge untergebracht werden.
In der Gesamtschule Brachenfeld sollen Flüchtlinge untergebracht werden.

In der Erstaufnahmeeinrichtung leben schon doppelt so viele Menschen wie geplant. Nun muss eine Notlösung her.

shz.de von
09. Juli 2015, 18:31 Uhr

Weil die Erstaufnahme-Einrichtung in Neumünster völlig überfüllt ist, werden nun die ersten Flüchtlinge in Schleswig-Holstein in einer Schulturnhalle untergebracht. Helfer der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes und der Hilfsorganisationen bauen bis Freitagabend 400 Feldbetten in der Gesamtschule Brachenfeld auf. Der Einzug der neuen Flüchtlinge ist für Sonnabend und Sonntag vorgesehen.

Das Land reagiert damit auf den weiter steigenden Strom von Schutzsuchenden. Alleine in dieser Woche kamen nach Auskunft von Ulf Döhring, dem Chef des Landesamtes, rund 900 Menschen in der Unterkunft an. Insgesamt waren es in der ersten Jahreshälfte 7187. Eigentlich ausgelegt für 650 Personen leben in der Unterkunft derzeit 1200 Männer, Frauen und Kinder, überwiegend aus den Kriegsgebieten Syrien, Irak und Afghanistan. Verschärft wird die Lage noch, weil die Erstaufnahme-Einrichtungen in Bremen und Sachsen-Anhalt geschlossen haben.

Das Innenministerium hatte Neumünster am Mittwoch um Hilfe gebeten. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras rief daraufhin den Katastrophenabwehr-Stab ein. Dort wurde schnell eine Entscheidung für die Gemeinschaftsschule getroffen. Dort seien ausreichend sanitäre Anlagen vorhanden. Bereits Donnerstagmorgen packten Helfer des Deutschen Roten Kreuzes die Betten und Einmaldecken im Gefahrenabwehrzentrum der Stadt in Laster. Da in der letzten Woche vor den Ferien eine Projektwoche angesetzt ist, werde der Sportunterricht nicht ausfallen, sagte Schulleiterin Silke Rohwer. Allerdings fällt der Vereinssport aus.

Fenster und Glasflächen werden mit Decken abgehängt. In dem Gebäude sollen mehrere Bereiche für Männer, Frauen und Kinder sowie ein Speisesaal entstehen. Ein Wachdienst sorgt für Sicherheit. Die Versorgung übernimmt das Landesamt.

Die Stadt Neumünster hat dem Land zunächst Hilfe für maximal zehn Tage zugesagt. Tauras stellte klar: „Das kann keine Dauerlösung sein. Der Schulunterricht muss nach den Ferien wie gewohnt weitergehen.“

Auch in Hamburg suchen die Behörden nach Unterbringungsmöglichkeiten. Am Dienstag vergangener Woche hätten bereits 820 Asylbewerber an vier Standorten unter Zeltplanen gelebt, sagte der Sprecher der Innenbehörde, Frank Reschreiter, am Donnerstag. Täglich suchten etwa 200 Menschen in Hamburg Zuflucht, doppelt so viele wie noch vor wenigen Monaten.

Weil auch in anderen Bundesländern die Kapazitäten erschöpft seien, könne Hamburg weit weniger als die Hälfte der Neuankömmlinge weiterschicken. „Wir werden weitere Zeltunterkünfte in der Stadt aufstellen müssen“, sagte Reschreiter. Er betonte zugleich, dass in allen Stadtbezirken nach geeigneten Plätzen gesucht werde. Der Bezirk Mitte, wo bereits mehr Flüchtlinge als anderswo leben, werde dabei aber nicht im Vordergrund stehen.

Dort hatte die kurzfristige Unterbringung von 458 Asylbewerbern in Zelten zu Unmut geführt. Die Aufstellung der Zelte sei schlecht kommuniziert worden, sagte eine Sprecherin des Bezirks Mitte. Auch der Stadtteilbeirat von Hamburg-Wilhelmsburg habe in einem Brief die Frage gestellt: „Warum schon wieder hier?“

Reschreiter erklärte, der Senat habe eine ganz schnelle Entscheidung treffen müssen. Sonst hätte man die Menschen unter freiem Himmel schlafen lassen oder abweisen müssen. Der „Puffer“ in der Erstaufnahmestelle war erschöpft. „Es gab eine Vorabinformation (an den Bezirk), aber recht kurzfristig, das muss man sagen“, räumte der Sprecher der Innenbehörde ein.

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