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Bäume in Gefahr : Kastaniensterben breitet sich aus

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

75 Kastanien sind seit 2013 dem Pseudomonas-Bakterium zum Opfer gefallen. Der Ostteil der Stadt blieb noch weitgehend verschont.

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erstellt am 06.Mai.2016 | 15:00 Uhr

Neumünster | Die Hiobsbotschaft kam im Jahr 2002 aus den Niederlanden. Immer mehr Kastanien wurden dort von einem Bakterium namens „Pseudomonas syringae“ befallen und starben ab. Elf Jahre später erreichte die Krankheit Neumünster. 75 Kastanien sind seit 2013 dem Bakterium auf städtischem Gelände, also am Straßenrand oder in Parks, zum Opfer gefallen – Tendenz steigend.

Heiner Feilke, Abteilungsleiter Grünflächen, und Martin Bramesfeld, der für die Grünflächenunterhaltung zuständig ist, beobachten die Entwicklung mit Sorgen. Zurzeit gibt es noch 500 Kastanien auf städtischem Areal. Allein 50 davon stehen im Selckschen Park (Max-Röhr-Platz/Marienstraße) entlang der Schwale sowie im angrenzenden Neuen Schwale-Park hinunter zur Schwalteniederung, und 14 Kastanien wachsen in Rencks Park. Große Alleen zieren außerdem den Seekamp in Einfeld und das Areal am Wasserturm.

In Gefahr ist vor allem die rot blühende Variante. Denn das Bakterium greift vor allem diese Sorte an. „95 Prozent der in Neumünster befallenen Bäume sind rot blühende Kastanien“, erklärt Feilke. Die weiß blühenden Kastanien haben hingegen eher Probleme mit der sogenannten Miniermotte, einem kleinen Falter aus Südosteuropa. Das gefräßiges Insekt legt seine Eier in die Kastanienblätter. Die Larven der Miniermotte fressen sich dann durch das frische Grün, so dass Gänge in den Blättern entstehen. Letztendlich vertrocknen die Blätter und werden braun. Allerdings überleben die Bäume den Miniermotten-Befall. „Wir haben deshalb noch keine Kastanie verloren“, so Feilke.

Das Pseudomonas-Bakterium hingegen ist für den Baum in der Regel ein Todesurteil. „Man kann dagegen nichts machen“, so die Experten der Stadt. Befallen werden junge und alte Kastanien gleichermaßen. Zuerst werden Austrieb und Blühtenbildung schwächer, dann bilden sich schwarze Flecken mit zäher Flüssigkeit am unteren Stamm, die später körnig austrocknen. Nach drei Monaten löst sich die Rinde, der Baum stirbt von der Oberkrone her ab, wird von Schimmel befallen und instabil. „Dann müssen wir ihn aus Sicherheitsgründen fällen“, sagt Martin Bramesfeld.

Woher die Krankheit kommt, wissen die Experten nicht. Von den Niederlanden breitete sie sich über Nordrhein-Westfalen in den Norden aus – und zwar entlang der Autobahnen. Ob mit dem Wind, über Insekten, Tröpfchen oder Erdpartikel ist unklar. In Neumünster frisst sich das Bakterium seit 2013 entlang der Hauptwindrichtung von West nach Ost. Zuerst fielen ihr Kastanien am Pöppelmannweg in Faldera zum Opfer. 30 Bäume mussten gefällt werden. Sie wurden durch Mehlbeeren ersetzt. Der Befall ging weiter Richtung Innenstadt. Erst in diesem Winter mussten an der Färberstraße elf erkrankte Kastanien gefällt werden. Im Herbst sollen hier weiß blühende Katsurabäume (auch Kuchenbäume genannt) gepflanzt werden.

„Wir wollen das Artenspektrum breiter fassen und mussten natürlich das Pflanzkonzept umstellen. Mit der Neuanpflanzung von Kastanien sind wir zurückhaltend“, erklärt Feilke. Zuletzt wurden 2012, also bevor das Bakterium die Stadt erreichte, ein Dutzend Kastanien im Selckschen Park gepflanzt. Die werden jetzt, wie alle weiteren dieser Art, genau beobachtet. „Wir wissen nicht, wie sich die Krankheit weiter entwickelt. Erst in fünf bis zehn Jahren können wir sagen, ob es resistente Kastanien gibt“, so die Experten der Stadt.

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