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Boostedt : Kaserne: Die Gemeinde muss sich selbst helfen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Gemeinde fühlt sich mit der künftigen Nutzung der Rantzau-Kaserne allein gelassen. Die CDU-Politiker Reimer Böge und Axel Bernstein informierten sich vor Ort

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erstellt am 12.Aug.2014 | 08:30 Uhr

Boostedt | Die Boostedter Gemeindevertreter hatten gehofft, doch für ein Thema, das ihnen unter den Nägeln brennt, hatten auch die beiden Spitzenpolitiker keine Lösung: die Nachnutzung der Boostedter Rantzau-Kaserne. Reimer Böge, Mitglied des Europäischen Parlaments und Landesvorsitzender der CDU, und der CDU-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Segeberg-Ost, Axel Bernstein, waren gestern in Boosedt zu Gast

Gemeinsam mit Mitgliedern des CDU-Ortsverbandes begutachteten sie zunächst die Rantzau-Kaserne, die als Bundeswehrstandort Ende 2016 nicht mehr existent sein wird. Anschließend ließen die beiden Politiker sich von Hans-Jürgen Tackmann durch dessen Bäckerei führen.

In der anschließenden Diskussion zur Konversion des Kasernengeländes, sprich dessen Verkauf durch die Bundesimmobilienanstalt (Bima), zeigte sich, dass die zahlreichen Standortschließungen im Land an keiner Stelle eine wirkliche Erfolgsgeschichte schreiben.

„Angesichts des guten Zustandes der Anlage ist es bitterschade, dass die Kaserne geschlossen wird“, meinte Böge. Welche strukturpolitischen Entscheidungen zur Standortaufgabe geführt haben, konnte er allerdings nicht sagen. Das Gefühl der Gemeinde, von Bund und Land mit der Verantwortung für das 125 Hektar große Gelände im Regen stehen gelassen zu werden, wie es der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Brückner ausdrückte, war für Böge und Bernstein zwar nachvollziehbar. Dennoch plädierten beide dafür, dass die beste Lösung von den Gemeinden selbst gefunden werden würde. Hier entstünden die Wünsche und Ideen. Außerdem liege hier ja auch die Planungshoheit, hieß es dazu.

Auch der Forderung Brückners, dass der Rückbau des Geländes vom Bund als Eigentümer zu tragen sei, begegneten sie verhalten. „Die Vernetzung zwischen Bund, Land und Gemeinden muss sicher weiter ausgebaut werden. Doch der Gesetzgeber hat hier die gemeindliche Lösung vorgesehen“, erklärte Axel Bernstein.

Dennoch riet er, den Kontakt hier eher zur Landesregierung als zum Bund zu suchen. „Das dünnere Brett ist auf Landesebene zu bohren. Hier können Sie als Kommune über das Wirtschaftsministerium sicherlich mehr erreichen als in Berlin“, sagte er.

Insgesamt als merkwürdig beurteilte Böge die Entwicklungsplanung Schleswig-Holsteins. „Planungsräume schaffen auch immer Grenzen, und diese führen dann oftmals zu Entscheidungen, die in ihrer Gesamtheit betrachtet letztlich nicht immer Sinn machen. Darüber müssen wir intensiver nachdenken“, erklärte er im Hinblick auf die Standortschließung in Boostedt.

Die Mitglieder des CDU- Ortsverbandes beurteilten den Besuch am Ende mit gemischten Gefühlen. „Wirkliche Antworten haben wir nicht erhalten. Doch wir haben die Chance genutzt, unsere Anliegen vorzutragen. Denn davonkommen lassen wollten wir die beiden auch nicht“, hieß es aus dem Kreis der Boostedter CDU-Politiker.

Richtiggehend ungehalten über eine fehlende Information des Ortsverbandes zum Besuch von Böge und Bernstein zeigte sich übrigens Bürgermeister Hartmut König (CDU) auf Anfrage. „Ich wusste von nichts, und ich finde es geradezu ungehörig, dass ich nicht unterrichtet worden bin“, sagte er.





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