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Betriebsversammlung nach der Hiobsbotschaft : Kampf ums Bahn-Werk hat begonnen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Betriebsversammlung fand hinter verschlossenen Türen statt. Der Oberbürgermeister und die Fraktionen machen sich stark für den Standort.

von
erstellt am 08.Dez.2016 | 06:00 Uhr

Neumünster | Nach der Hiobsbotschaft Ende der vergangenen Woche trafen sich gestern die Mitarbeiter der Fahrzeuginstandhaltung der Deutschen Bahn an der Kieler Straße zur Betriebsversammlung hinter verschlossenen Türen. Seit wenigen Tagen wissen sie, dass die rund 700 Arbeitsplätze des Bahn-Werks zumindest zum Teil in Gefahr sind. Erste Gerüchte hatten bereits vor Wochen für Verunsicherung gesorgt (der Courier berichtete).

Ein Mitarbeiter, der nicht genannt werden möchte, berichtete nach der fast zweistündigen Sitzung von einer „verhalten optimistischen Stimmung. Wir hoffen auf die Unterstützung aus der Politik“, sagte er. Allerdings sei der Belegschaft auch klar geworden, „dass Tradition nichts mehr zählt“. Betriebsrat Heiko Pätzel und die Werksleitung waren gestern für den Courier nicht zu erreichen.

Offenbar plant die Deutsche Bahn, die Fertigungsstunden in Neumünster im kommenden Jahr vom 700  000 auf 520  000 drastisch zu reduzieren. Besonders gefährdet ist die Radsatzwerkstatt mit 53 Mitarbeitern. Die Bahn wolle in Zukunft nur noch in vier statt in acht Werken Radsätze produzieren.

Auch jenseits des Werksgeländes wurden seit Bekanntwerden der einschneidenden Rotstift-Pläne mittlerweile viele Hebel in Bewegung gesetzt. Thorben Pries, Büroleiter des Oberbürgermeisters, teilte mit: „Dr. Olaf Tauras hat die Konzernbevollmächtigten gleich Anfang der Woche angeschrieben und auf die hervorragende Arbeit im Werk hier vor Ort hingewiesen. Er hat deutlich gemacht, dass auch eine Teilschließung für die Stadt nicht akzeptabel wäre und um ein Gespräch gebeten“, so Pries. Die Rückmeldung steht noch aus.

Parallel dazu hat der Oberbürgermeister mit dem Betriebsrat gesprochen sowie Kontakt zum Land gesucht. Als das Kabinett kürzlich in Neumünster tagte, hat es laut Pries ein Gespräch mit Wirtschaftsminister Reinhard Meyer gegeben. Als nächsten Schritt wird Olaf Tauras Kontakt zu den zuständigen Bundesministerien aufnehmen.

Auch die Parteien sind bereits aktiv geworden und ziehen zur Rettung der Arbeitsplätze im Bahnwerk an einem Strang. Auf Anregung von Thomas Krampfer, Fraktionsvorsitzender der Grünen, soll es eine interfraktionelle Resolution geben, die am Dienstag in der Ratsversammlung verabschiedet werden soll.

„Wir fordern, dass sich alle dafür einsetzen, dass das Bahn-Werk in Neumünster bleibt“, erklärte Gerd Kühl (CDU), der die Resolution am Dienstagabend als Vorsitzender im Hauptausschuss ankündigte. „Dort wird gute Arbeit geleistet. Die Facharbeiter werden hier benötigt. Es ist auch gesamtgesellschaftlich zum Beispiel für die Geschäftswelt, Schulen und den Wohnungsmarkt wichtig, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben“, sagte Kühl.

Angelika Theidig von der Pressestelle der Deutschen Bahn teilte dem Courier lediglich mit: „Die Deutsche Bahn ist zum Thema Werkestrategie 2030 in vertraulichen Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern. Es gibt keinerlei Beschlüsse zu einzelnen Standorten.“

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