Kastrationsaktion : Kampf gegen das Katzenelend in Neumünster

Auch das Tierheim Neumünster nimmt an der Kastrationsaktion teil: Leiterin Nina Wolter hält eine Falle parat – statt einer lebenden Katze hat sie einen Plüschhund hineingesetzt.  Fotos: Vaquette
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Auch das Tierheim Neumünster nimmt an der Kastrationsaktion teil: Leiterin Nina Wolter hält eine Falle parat – statt einer lebenden Katze hat sie einen Plüschhund hineingesetzt. Fotos: Vaquette

An der landesweiten Kastrationsaktion beteiligen sich auch die Tierheime Wasbek und Neumünster.

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14. Oktober 2020, 17:52 Uhr

Fünf schwarze Kätzchen wuseln in ihrem Quartier herum, kriegen alle paar Stunden ihr Fläschchen – und sind alle putzmunter. „Ihre Mutter ist vermutlich überfahren worden. Wir haben sie in einer Hütte gefunden“, sagt Bianca Schenk, Leiterin des Tierheims Wasbek. Das tierische Quintett ist nicht der einzige Nachwuchs, der das Team auf Trab hält. „Wir hatten noch nie so viele abgemagerte Katzenmütter – und Unmengen von Katzenkindern.“ Das Tierheim Wasbek nimmt ebenso wie das Tierheim Neumünster an der landesweiten Katzenkastrations-Aktion teil, die am 17. Oktober startet und das seit Jahren zunehmende Problem der massenhaften Vermehrung wildlebender Katzen bekämpfen soll.

Vier Katzenkinder in Tungendorf, drei im Freesencenter, acht an der Haartallee, 15 Stück im Bereich der Rendsburger Straße – wilden Nachwuchs fängt das Team des Tierheims Wasbek überall ein. „Das beschäftigt uns fast rund um die Uhr, wir sind schon vor Beginn der Aktion mittendrin“, sagt Bianca Schenk und erzählt von einem besonders grausamen Notfall. Eine graue Katze war so verhungert, dass sie Brot mitsamt Plastikclip fraß, der ihren Magen verletzte – sie überlebte dank einer Operation.

„Wenn wir entsprechend Rückmeldungen bekommen, wo wilde Katzen sind, werden dort Lebendfallen aufgestellt. Meistens machen wir das selbst, denn sie müssen durchgehend beobachtet werden und dürfen nicht über Nacht offen bleiben“, sagt Schenk. In Ausnahmefällen würden die Fallen auch ausgeliehen – „aber nur wenn die Leute Zeit haben, die Fallen zu überwachen und sich an unsere Anweisungen halten.“ Die Tiere würden kastriert wieder ausgesetzt, wo sie gefunden wurden. „Für eine Kamera, die die Fallen überwacht und bei einem Fang Fotos aufs Handy schickt, werben wir um Spenden“, sagt Schenk.

Die massive Vermehrung von wilden Katzen nimmt seit Jahren zu. „Das Problem ist sozusagen am Ende der Leine“, sagt Schenk und appelliert sowohl an Katzenbesitzer als auch an aufmerksame Nachbarn, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein. „Früher wurden Katzenjunge auf dem Land ertränkt. Leider gibt es auch heute noch Menschen, die warten, dass sich das Problem selbst erledigt. Ein Muttertier wurde nach dem Werfen eingesperrt, während ihr Nachwuchs draußen drohte, zu verhungern“, sagt sie traurig. Eine Nachbarin rettete die Kleinen.

Auch das Tierheim Neumünster nimmt an der Aktion teil. „Leute können uns entsprechende Plätze melden. Wenn wir das personell schaffen, stellen wir dann Fallen auf oder leihen sie nach entsprechender Einweisung aus. Die Fallen müssen mindestens dreimal am Tag überprüft werden“, sagt Leiterin Nina Wolter. Ehrenamtliche, die die Fallen überwachen können, seien herzlich willkommen. Im Tierheim gebe es auch eine Tiertafel, die Besitzern mit schmalem Geldbeutel helfe.

Die Tierhilfe nimmt erstmals seit Jahren nicht an der Aktion teil – „leider aus zeitlichen Gründen“, sagt Susanne Eckmann. Finanziert wird die Aktion aus einem Fonds, der von der Tierärztekammer Schleswig-Holstein verwaltet wird. „Es wäre aber sinnvoll, wenn auch außerhalb dieses Zeitraums Mittel für akute Notfälle verfügbar wären. Denn die richten sich nicht nach einem Zeitplan“, sagt Bianca Schenk.

Wer Plätze kennt, an denen wilde Katzen leben, wendet sich an die Tierheime. Neumünster: Tel. 53779 / info@tierheim-nms.de), Wasbek: Tel. 2060990 (Büro), Tel. 0157/86220342 (Notfälle) / E-Mail: willkommen@tierheim-wasbek.de. Nur bei Notfällen außerhalb der Bürozeiten ist die Feuerwehr zuständig (Tel. 33220). Im Internet: www.schleswig-holstein.de/gegenkatzenelend.

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