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Mensch des Jahres : Kämpfer gegen Politikverdrossenheit

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit 15 Jahren klärt Dietrich Mohr junge Wähler auf und motiviert sie zum Gang an die Urne. Im Superwahljahr 2013 hatte er viel zu tun

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erstellt am 30.Okt.2013 | 11:30 Uhr

Als 1998 bei der Kommunalwahl erstmals 16-Jährige an die Urne treten durften, machte Dietrich Mohr (50) eine erschreckende Entdeckung: „Viele Jugendliche wussten gar nichts von ihrem Wahlrecht“, erzählt er immer noch kopfschüttelnd. Deshalb wurde der gelernte Erzieher, der seit sieben Jahren das Familienzentrum Ruthenberger Rasselbande leitet und seit seinem 18. Lebensjahr mit einer Unterbrechung (Erziehungszeit) im Vorstand des Jugendverbandes ist, umgehend aktiv. Gemeinsam mit Andreas Leimbach, damals Bildungsreferent beim Jugendverband, stellte er ein Programm auf die Beine, das Jugendliche motivieren sollte, zur Wahl zu gehen und sich mit ihren Rechten und Möglichkeiten sowie den Inhalten der Parteiprogramme auseinander zu setzen. Bis heute kämpft er vor jeder Wahl wieder gegen die Politikverdrossenheit unter jungen Leuten, so auch im Superwahljahr 2013.

Angefangen hatte alles vor 15 Jahren mit einem mehrteiligen Programm. Damals wollte Mohr die jungen Wähler „informieren, ohne lehrerhaft zu sein“. Ein lustiger Kino-Werbespot wurde gemeinsam mit dem Comiczeichner Kim Schmidt (Local heros) entworfen. Es gab eine Podiumsdiskussion und eine Skater-Rallye. „Alle Fraktionen haben an einem Sonnabend dafür ihre Büros geöffnet und waren dann die Anlaufstellen für die Teilnehmer. Skaten war damals absolut in“, erinnert er sich. Vor zwei Jahren nahm er die Schulen mit ins Boot. Seitdem moderieren Schüler die Podiumsdiskussionen, nachdem sie mit Sprechtraining und einer Demokratiewerkstatt intensiv auf die Rolle vorbereitet wurden. „Es ist authentischer, wenn die Moderatoren aus den Reihen der Jugendlichen kommen“, sagt Mohr.

Stets sammelt er sehr zeitig von den Jungwählern Wünsche ein, die sie an die Politik haben und lässt sie den demokratischen Parteien zukommen, bevor die Parteiprogramme verabschiedet sind. In den Podiumsdiskussionen kommen dann viele dieser Themen wieder auf den Tisch.

Bei den Erstwählern kommen die Aktionen zur Wahl in der Regel gut an. „Ich erhalte viele positive Rückmeldungen. Viele berichten, dass sie erst aufgrund der Veranstaltung später zur Wahl gegangen sind. Das motiviert natürlich“, meint er. Und er stellt klar: „Es ist mir völlig egal, was die Jugendlichen wählen. Bis auf die Nazis sind hier alle Parteien wählbar. Es geht darum, mitzugestalten. Denn wer sich nicht beteiligt, hat auch nicht die Möglichkeit, sich hinterher zu beschweren.“

Auch für die Europawahl im kommenden Jahr hat Dietrich Mohr schon Pläne. Er möchte unter anderem ein Europafest veranstalten, bei dem die kulturellen Besonderheiten der einzelnen Länder – wie Sprache, Musik oder Essen – ebenso eine Rolle spielen wie die Botschaft „Wir sind ein Europa“.

Sein ehrenamtliches Engagement und sein Interesse für das Wohl der Gesellschaft und für Politik sieht Dietrich Mohr in seiner Familie begründet. Ich komme aus einer absoluten Pädagogen- und Ehrenamtsfamilie“, berichtet der Sohn von Ewald Mohr, der bis Mitte der 90er-Jahre der letzte Stadtjugendpfleger Neumünsters war. „Meine Eltern haben mich zu all ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten immer mitgeschleift. Und abends wurde mit meinem Vater gemeinsam die Tageschau gesehen“, erinnert sich Dietrich Mohr, der mit seiner Frau und den drei Kindern (12, 6 und 4) im Vicelinviertel lebt.

Neben dem Spaß an der ehrenamtlichen Tätigkeit – Mohr ist außerdem noch im Förderverein der Pestalozzischule, als bürgerliches Mitglied im Jugendhilfeausschuss, in der Lenkungsgruppe des Bündnisses für Familie und beim Runden Tisch für Toleranz und Demokratie tätig – treiben ihn zwei Leitsätze an. Er hält sich an den Rat seines Vaters, der sagte: „Entscheide in politischen Dingen immer so, dass Du am Morgen noch in den Spiegel sehen kannst.“ Ansonsten hält er es wie John F. Kennedy, der sagte: „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst!“


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