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Kämpfen, schmieden, drechseln: So ein Wikinger-Leben ist ganz schön anstrengend

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mit schwingenden Äxten, wehenden Bärten und Gebrüll stürmen die Männer auf die Menschen zu: Es sind wieder Wikinger-Tage im Wildpark Eekholt. Noch bis morgen sorgen Schaukämpfe, stimmungsvolle Musik und ein Handwerkermarkt für mittelalterliche Atmosphäre. Nach einer Stärkung mit frisch gebackenem Brot und Met kann man sich am Axtwerfen auf eine Zielscheibe versuchen oder Specksteine bearbeiten.

„Mir gefällt alles, was mit Wikingern zu tun hat. Ich finde es gut, dass die Leute sich verkleiden und richtige Helme tragen ohne Hörner, das kommt der Wikingerzeit nahe“, erzählt Denis Stöhr, der mit seiner Frau Nadine und seinen Kindern Lasse, Lotta und Nele extra aus Hamburg angereist kam. Besonders gut kamen an Himmelfahrt, dem Eröffnungstag, die Mit-Mach-Handwerkerstände an. In einer Jurte bietet Barny Kurpjuweit (56) aus Bordesholm die Möglichkeit, mit Hammer und Amboss aus einem Rohling aus Stahl ein verziertes Messer zu schmieden. „Den Blasebalg aus Stierfell habe ich selbst gebaut und die Äste des Rahmens im Wald gesammelt“ erzählt der Schmied. Etwa 1300 Grad hat der Stahl, wenn er glühend aus dem Feuer kommt, dann wird er bearbeitet und immer wieder neu erhitzt, bis das Werkstück fertig ist. „Es macht einfach Freude, die glänzenden Kinderaugen zu sehen, wenn sie ein fertiges Produkt in den Händen halten“, sagt Barny, der während des Festes auch die Nächte in seinem mit Holzmöbeln und Fellen ausgestatteten Zelt verbringt.

Arvid (5) aus Boostedt hat ein Messer geschmiedet und anschließend geschliffen: „Das war toll. Es ist ganz schön scharf, hab mich ein bisschen geschnitten“, berichtet er stolz. An einer Drechselbank versuchen sich Merle (7) und Bjarne (9) Voigt mit ihrer Mutter Inga aus Quickborn. „Es ist ganz schön anstrengend, aber es macht Spaß“ sagt Merle. „Die Technik dieser Drehbank stammt aus dem 12. Jahrhundert, die teilweise bis ins 20. Jahrhundert in Deutschland genutzt wurde“, erklärt der Aussteller Dag Wixforth aus Munkbrarup. Handfest geht es zu bei der Waffenschau, wenn eine handvoll Männer in Kettenhemden und Helmen dem Publikum mit Schwertern, Lanzen, Schildern und lauten Gebrüll einen Schaukampf bieten. „Das Faszinierende an den Wikingern sind für mich nicht die Kriege, die sie geführt haben, sondern der Umstand, dass sie Handwerker, Bauern, einfache Leute waren, die sich und ihre Familien ernähren mussten und daher in den Krieg gezogen sind“ erläutert Manuel Grywatz (35) aus Scharbeutz sein Hobby. Sein Holzschild hat er selbst gesägt und bemalt, die Kleidung hat er aus dem Internet oder von speziellen Märkten besorgt: „Die Szene der Wikinger-Fans ist klein. Man kennt sich hier untereinander, wir kommen aus allen Teilen Schleswig-Holsteins zu solchen Veranstaltungen. Die Kämpfe machen wir, um den Zuschauern noch etwas Besonderes zu bieten.“

Noch heute und morgen können die Besucher jeweils ab 11 Uhr das Lagerleben und einen frühmittelalterlicher Markt erleben.


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