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Holsteinischer Courier

19. August 2017 | 13:58 Uhr

Hoher Besuch : JVA ist bei der Ausbildung top

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Justizministerin Anke Spoorendonk besuchte auf ihrer Sommerreise fast sieben Stunden lang die Justizvollzugsanstalt

Neumünster | Es war natürlich nicht ihr erster Besuch in der Justizvollzugsanstalt an der Boostedter Straße, aber gestern nahm sich Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) besonders viel Zeit. Schon früh vor 6 Uhr begann die Visite, bei der die Ministerin vom Wecken der Inhaftierten bis zu Gesprächen mit Mitarbeitern, Gefangenen und dem Anstaltsseelsorger tief in den Alltag im Mikrokosmos JVA eintauchte.

Auch ein Interview mit der Redaktion des Gefangenenmagazins „Trallenkieker“ gehörte zum Besuchsprogramm. „Für die Häftlinge ist es ein Lebensraum auf Zeit. Für die Beschäftigten ist es der Arbeitsraum, und zwar kein leichter“, sagte die Ministerin. Ihr war es deshalb wichtig, in Gesprächen mit den Mitarbeitern auch ihre Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen.

Der Vollzugsdienst in Schichten rund um die Uhr ist nicht einfach. Das zeigt sich auch am hohen Krankenstand von zehn Prozent, dem die Anstaltsleitung um Yvonne Radetzki mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement beikommen will. Erste Erfolge seien schon sichtbar. „Wir haben Vorschläge von Mitarbeitern, wie man Arbeitsabläufe verbessern kann“, sagte die JVA-Leiterin Yvonne Radetzki.

Große Erwartungen setzt Ministerin Anke Spoorendonk in die Modernisierung des Strafvollzugs durch ein neues Gesetz, das in erster Lesung gerade den Landtag passiert hat. Aspekte dabei sind die Stärkung des Täter-Opfer-Ausgleichs und ein mehr familienorientierter Vollzug, „damit Menschen nach Verbüßung ihrer Strafe wieder schneller Fuß fassen können“, so Spoorendonk.

In Neumünster sieht sie da schon viele positive Ansätze, etwa bei der Einrichtung einer sogenannten Väter-Gruppe. Vor allem aber ist Neumünster die Ausbildungs-Vollzugsanstalt im Land, sagte die Ministerin nach Gesprächen mit Häftlingen in der Anstaltsbäckerei. „Das ist ein echter Vorzeige-Betrieb. Häftlinge, die sich auf eine Ausbildung einlassen, erzielen oft sehr gute Gesellenabschlüsse“, sagte Spoorendonk.

Dass von den 589 Haftplätzen zurzeit 120 gesperrt sind, liegt an den umfangreichen Bau- und Modernisierungsarbeiten in der JVA. Natürlich gehörte auch ein Gang über die Baustelle zum Besuchsprogramm. „Das neue C-Haus soll Ende 2015 ans Netz gehen“, sagte Yvonne Radetzki. 80 der Haftplätze sind für den Jugendstrafvollzug reserviert, aber nicht voll belegt. „Die Zahl der jugendlichen Häftlinge geht zurück“, erfuhr Anke Spoorendonk von Yvonne Radetzki. Zurzeit sitzen insgesamt 382 Strafgefangene ein.

Für die Justizministerin waren das alles „sehr intensive Eindrücke“, sagte sie. Einer wird haften bleiben: „Wenn Häftlinge ernst genommen werden, führt das zu einer entspannteren Atmosphäre. Und die brauchen sie, um wieder ein Leben in Freiheit zu führen.“

Standpunkt: Wichtige Aufgabe für das Land

Seit 2007  ist die Justizvollzugsanstalt an der Boostedter Straße eine Baustelle. Die noch zu Kaisers Zeiten erbaute Strafanstalt wird mit zweistelligem Millionenaufwand saniert und modernisiert. Doch nicht nur baulich, sondern auch inhaltlich-konzeptionell wird in den modernen Strafvollzug investiert. Die Landesregierung hat ein neues Vollzugsgesetz auf den Weg gebracht. Beides sind wichtige Signale für die Häftlinge, die in Neumünster ihre Strafe verbüßen und danach wieder in der Gesellschaft Fuß fassen sollen. Mit einer fundierten und auf die Entlassung hin arbeitenden Vollzugsplanung ist das sicher einfacher möglich. Und mit einer Berufsausbildung erst recht. Aber auch für die fast 270 Beschäftigten in der JVA ist das ein gutes Signal. Dass die Justizministerin bei ihrem Sommerbesuch nichts wirklich Neues kennengelernt  hat oder zu verkünden hatte, ist nicht weiter schlimm. Auch ihr Signal ist wichtig: Sie kümmert sich  und setzt Zeichen der Wertschätzung – auch für Neumünster, das als Sitz einer JVA keine einfache, aber  wichtige Aufgabe für das Land erfüllt.


 

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erstellt am 21.Aug.2015 | 07:45 Uhr

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