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Nach Grosseinsatz in Neumünster : JVA-Brand: Feuerwehr war an ihrer Grenze

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach dem Brand in der JVA Neumünster sind die 22 Verletzten über den Berg. Ein Gefangener hatte Möbel angezündet.

shz.de von
erstellt am 05.Mär.2015 | 05:00 Uhr

Neumünster | Die 22 Männer und Frauen, die am Dienstag bei dem Brand in der Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Boostedter Straße verletzt wurden, sind auf dem Wege der Genesung. Den JVA-Mitarbeitern und einer Rettungsassistentin gehe es den Umständen entsprechend gut, bestätigte gestern JVA-Leiterin Yvonne Radetzki. Auch der 24-jährige Untersuchungshäftling, der noch vor Ort von Rettungskräften reanimiert wurde, soll dem Vernehmen nach über den Berg sein.

Der Gefangene hatte Dienstagmittag Möbel und Matratze vor seine Zellentür geschoben und angesteckt. Vermutlich wollte er sich das Leben nehmen. JVA-Bedienstete bemerkten den Brand rechtzeitig und befreiten den Mann und weitere Häftlinge aus Nachbarzellen (der Courier berichtete).

Die JVA-Leitung hatte dazu schon vor Eintreffen der Feuerwehr das komplette Obergeschoss des Haftgebäudes evakuiert. Wegen der starken Qualmentwicklung  zogen sich die Beamten  dabei Rauchvergiftungen zu. Zunächst war von 17 Betroffenen  die Rede, im Laufe des Abends stieg die Zahl der Verletzten auf 21, dann sogar auf 22. Sie kamen vorsorglich ins Krankenhaus, das  die meisten allerdings noch am späten Abend wieder verlassen konnten. Zwei Verletzte  standen auch gestern noch im FEK  weiter  unter Beobachtung. Die evakuierten Häftlinge mussten während der gut zweistündigen Rettungs- und Löscharbeiten vorübergehend im Freistundenhof warten und wurden danach in der Turnhalle der JVA einquartiert, bevor sie in ihre Zellen zurückkehren konnten.

Unmittelbare Konsequenzen aus dem Zwischenfall wird es in der JVA nicht geben. Zellenbrände kämen bundesweit immer wieder vor und seien bei aller gebotenen Vorsorge letztlich nicht immer zu verhindern, sagte JVA-Chefin Yvonne Radetzki. Die Mitarbeiter seien für solche Notfälle geschult: „Wir können den Häftlingen nicht alles wegnehmen, was sich irgendwie anstecken lässt“, sagte die Anstaltsleiterin. Die JVA-Insassen dürfen in ihren Zellen rauchen.

Zuletzt hatte es 2011 einen ähnlichen Vorfall an der Boostedter Straße gegeben. Auch damals hatte ein Untersuchungshäftling seine Zelle in Brand gesetzt, um sich umzubringen; er wurde gerettet.

Insgesamt zufrieden mit dem Einsatzablauf zeigte sich am Dienstagabend der Chef der Berufsfeuerwehr, Sven Kasulke. Doch die Zahl der Verletzten habe die Retter an die Grenzen der Möglichkeiten gebracht. „Wir können mit der Eingreiftruppe und dem Leitenden Notarzt maximal 25 Verletzte schnell vor Ort versorgen. Kommen weitere hinzu, ist der Katastrophenschutz gefragt. Das dauert dann aber deutlich länger“, erklärte er. Auch die Notaufnahme des Friedrich-Ebert-Krankenhauses sei an ihre Belastungsgrenze gestoßen. Kasulke: „Bei zehn Akutfällen ist irgendwann verständlicherweise Schluss.“ Deshalb wurden am Dienstag einige Verletzte auf umliegende Kliniken verteilt.

Kommentar: Hilfe kann mal länger dauern

Ein umgekippter Reisebus, ein Säureunfall in der Schule oder ein Großbrand im Hochhaus: Unfälle  mit vielen Verletzten sind immer möglich. Aus einem kleinen Feuer in der JVA wurde schnell eine Großschadenslage. Neumünster ist mit dem engen Verbund von Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren, Katastrophenschutz und einem leistungsfähigen Rettungsdienst vorbildlich ausgestattet – und dennoch gibt es Grenzen. Die Notaufnahme im FEK ist irgendwann voll. Dann geht es  nur noch nach der Schwere der Verletzungen; Leichtverletzte müssen warten. Diesmal ging alles für die Betroffenen noch relativ schnell. Doch der Vorfall zeigt: Hilfe kann auch mal länger dauern. Einen Anspruch auf Sofortversorgung gibt es nicht.

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