Zu wenig Platz in Neumünster : Justizvollzugsschule in Boostedt?

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Neben der Erstaufnahme für Flüchtlinge in Boostedt könnte eine Fachschule entstehen.

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09. Juli 2019, 19:00 Uhr

Boostedt | „Das wäre ein Hammerding für Boostedt“, sagt Bürgermeister Hartmut König (CDU). Das Justizministerium hat Interesse am ehemaligen Kasernengelände in Boostedt angemeldet: Dort könnte neben der Erstaufnahme für Flüchtlinge eine Fachschule für Vollzugsbeamte entstehen. Wie König erklärte, sei die neue Schule bereits ab Oktober geplant.

Aktuell werden verschiedene Varianten für die Einrichtung einer Ausbildungsstätte in Neumünster und Umgebung geprüft. Dr. Wolf Gehrmann, Pressesprecher im Justizministerium
 

Eine der Varianten sei die Nutzung von Teilen der ehemaligen Rantzau-Kaserne in Boostedt. Ob für einige Jahre oder auf Dauer, sei noch nicht klar. Unklar ist auch, ob die Schule in Neumünster bestehen bleibt.

73 Anwärter für den Allgemeinen Vollzugsdienst

Im Land gibt es nur die Justizvollzugsschule in Neumünster. Sie befindet sich auf der Liegenschaft der Justizvollzugsanstalt Neumünster, aber außerhalb der Anstaltsmauern. Mit der Justizvollzugsanstalt arbeitet sie eng zusammen. Derzeit befinden sich insgesamt 73 Anwärter für den Allgemeinen Vollzugsdienst in der Ausbildung. Da nur die theoretischen Ausbildungsabschnitte in der Justizvollzugsschule absolviert werden, sind momentan davon nur 25 Anwärter an der Schule, die den Einführungslehrgang absolvieren.

Fachschule in Neumünster ist zu klein

Nun soll die Fachschule in Neumünster vergrößert werden. „Während bis zum vergangenen Jahr nur jährlich ein Ausbildungslehrgang mit bis zu 25 Anwärterinnen und Anwärtern startete, werden nun zwei bis drei Lehrgänge dieser Größe pro Jahr beginnen, um den künftigen Personalbedarf decken zu können“, erklärte Gehrmann. Ab Herbst werden in der Justizvollzugsschule Anwärter für das Innenressort ausgebildet, um in der künftigen Abschiebungshafteinrichtung in Glückstadt eingesetzt zu werden. Dann müssten die Lehrgänge zeitlich parallel an der unterrichtet werden, was in den bestehenden Räumlichkeiten nicht möglich sei. Zudem werde die Justizvollzugsschule für Fortbildungsveranstaltungen genutzt, auch hier biete das alte Gebäude am Holsatenring räumlich zu wenig Platz.

Zu klein geworden ist die Justizvollzugsschule am Holsatenring in Neumünster. Sie ist die einzige Ausbildungsstätte für den Allgemeinen Vollzugsdienst im Land.
Archiv: Jens Bluhm
Zu klein geworden ist die Justizvollzugsschule am Holsatenring in Neumünster. Sie ist die einzige Ausbildungsstätte für den Allgemeinen Vollzugsdienst im Land und zieht jetzt nach Boostedt.
 


Ob Boostedt für eine neue Fachschule in Frage komme, hänge auch von baurechtlichen Grundsatzfragen und dem Konversionsprozess für das Kasernengelände ab, erklärte Wolf Gehrmann.

Wie der Boostedter Bürgermeister berichtet, habe es zunächst eine schriftliche Anfrage gegeben. Am 24. Juni folgte dann eine Zusammenkunft von Vertretern der Gemeinde, des Gebäudemanagements Schleswig-Holstein sowie des Finanz- und Justizministeriums.

Alle Fraktionen in Boostedt sind dafür

Am selben Abend informierte König im nichtöffentlichen Teil der Sitzung die Boostedter Gemeindevertreter über das Interesse des Landes an den Liegenschaften. Über alle Fraktionen hinweg sei das Anliegen des Landes begrüßt worden. „Ich würde mich freuen, wenn die Gebäude nicht verfallen und weiter genutzt werden“, sagte Hartmut König gestern. Wenn es schnell gehen müsse, sei die Gemeinde auch zu einer Extra-Sitzung im August bereit.

60 neue Stellen

Die Hauptaufgabe der Justizvollzugsschule ist die fachtheoretische Ausbildung in den Berufen des Allgemeinen Vollzugsdienstes und des Werkdienstes (Laufbahn der Fachrichtung Justiz, Laufbahngruppe 1, zweites Einstiegsamt, Laufbahnzweig Allgemeiner Vollzugsdienst und Werkdienst). Diese Ausbildung geschieht in zwei insgesamt siebenmonatigen Lehrgängen innerhalb einer zweijährigen Ausbildungszeit.

Neben dem Personal der Justizvollzugsschule unterrichten hier vor allem Lehrkräfte aus den verschiedenen Justizvollzugsanstalten, die sich nebenamtlich engagieren, aber auch Mitarbeiter von Gerichten, der Bewährungshilfe und freien Trägern dersozialen Hilfe. 

Aktuell sind 730  Mitarbeiter im Allgemeinen Vollzugsdienst in den Justizvollzugsanstalten  des Landes Schleswig-Holstein tätig. Im Zuge der Reduzierung der Wochenarbeitszeit im Wechselschichtdienst des Allgemeinen Justizvollzugsdienstes  (analog des Polizeivollzugsdienstes) ist für die nächsten drei Jahre eine Erhöhung  um etwa 60 Stellen vorgesehen.





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