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Misshandlungen : Junger Familienvater muss in Haft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Streit um verschwundenes Handy eskalierte / Amtsgericht verurteilte gestern einen 26-Jährigen wegen Körperverletzung und Nötigung

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2014 | 05:30 Uhr

Am Ende schüttelte er nur den Kopf: Zu zwei Jahren und drei Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen Auflagen zum Waffenbesitz verurteilte das Amtsgericht gestern einen 26-jährigen Neumünsteraner.

Nach zwei Verhandlungstagen sahen Richterin und Schöffen es als erwiesen an, dass der gerade zum dritten Mal Vater gewordene arbeitslose Glaser am 10. März 2013 einen flüchtigen Bekannten (18) in seiner und der Wohnung eines Freundes mit einem Stuhlbein, einer Axt und einem Bunsenbrenner misshandelte. Der Mann erlitt Platzwunden und schwere Verbrennungen und musste nach einer Hauttransplantation eine Woche im Krankenhaus bleiben.

Außerdem soll der Angeklagte eine Bierflasche nach seinem Opfer geworfen haben, die eine Fensterscheibe an der Kieler Straße zerstörte. Bis zuletzt bestritt der mehrfach vorbestrafte Familienvater die Taten. Er behauptete, es habe eine Party mit Alkohol und Drogen gegeben. Im Rausch habe sich der Bekannte dann selbst schwer verletzt. Sein Rechtsanwalt plädierte daher auf Freispruch.

Am ersten Verhandlungstag vor knapp drei Wochen hatte das Opfer den Tathergang allerdings anders geschildert. Demnach hatte er seinen späteren Peiniger an dem frühen Sonntagmorgen damals in einem Lokal an der Kaiserstraße kennengelernt. Nach einem Zug durch die Innenstadt fehlte dann das Handy des Angeklagten. Er beschuldigte den 18-Jährigen, es genommen zu haben und griff ihn in den kommenden Stunden offenbar mehrmals an. Erst am Abend gelang ihm die Flucht zu einem Freund, der die Polizei informierte (der Courier berichtete). Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung beim Angeklagten fand die Polizei dann nicht nur eine Axt, einen spitzen Flaschenöffner und den Bunsenbrenner, sondern auch den Haustürschlüssel, das Portmonee und den Personalausweis des vermeintlichen Handydiebs.

Die Staatsanwältin ließ in ihrem Plädoyer gestern keine Zweifel daran, dass sie die Aussagen des Opfers für glaubwürdig hält. Demnach hat der junge Mann „schlicht Angst gehabt zu fliehen“. Das Vorgehen des wiederholt aggressiv aufgetretenen Angeklagten nannte sie „Folter“. Auch der Alkohol- und Drogenkonsum – kurz nach der Tat wurden 0,58 Promille und geringe Mengen an Cannabis und THC bei ihm festgestellt – könne nicht strafmildernd wirken. „Sie hatten einen klaren Kopf, als Sie handelten“, sagte die Staatsanwältin und forderte drei Jahre Haft.

Der Verteidiger hielt dagegen, es gebe zu viele unklare Aussagen und Widersprüche. Deshalb müsse das Gericht im Zweifel für den Angeklagten entscheiden. Dieser Argumentation folgten Richterin uns Schöffen aber nicht.

Die Verteidigung hat angekündigt zu prüfen, ob sie Berufung gegen das Urteil einlegt. Das ist laut Verteidiger wahrscheinlich. Das Handy ist übrigens nicht wieder aufgetaucht.

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