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Theaterkritik : Junge Theaterbesucher waren fasziniert

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Ensemble des Theaters der Altmark aus Stendal beeindruckte sein Publikum mit dem Stück „Wir alle für immer zusammen“.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | „Alles ist gut, so wie es ist.“ Bevor die elfjährige Polleke den versöhnlichen Satz am Ende der Geschichte aussprechen kann, ist viel passiert: Ihre Mutter verliebt sich in den Lehrer – „wie peinlich“ –, ihr Vater will ans Ende der Welt, findet jedoch den Anfang nicht – „wie ernüchternd“ –, ihre Freundin Caro ist nicht sicher, für welchen ihrer vielen potenziellen Väter sie sich entscheiden soll – „wie verwirrend“ – , und Pollekes Freund Mimun liebt sie zwar, darf aber wegen seiner Religion nicht mehr mit ihr gehen – „wie traurig“. Pollekes Welt steht Kopf. Nur auf dem Bauernhof ihrer Großeltern, wo die Elfjährige ihre Wochenenden verbringt, hat sie Zeit nachzudenken und Fragen zu stellen: „Warum verstehen Erwachsene nie, was geht und was nicht? Haben sie denn keinen Anstand im Leib?“

Polleke ist die Protagonistin im Roman „Wir alle für immer zusammen“ des holländischen Autors Guus Kuijer. Im Rahmen der Plattform Frei-Raum brachten Mitglieder des Stendaler Theaters der Altmark das Stück in der Bühnenbearbeitung von Philippe Besson und Andreas Steudtner am Dienstagnachmittag und gestern Vormittag auf die Bühne im Theater in der Stadthalle.

Schüler der Wilhelm-Tanck-Schule sahen die erste mit rund 90 Zuschauern besuchte Vorstellung in Begleitung ihrer Lehrerin und waren begeistert: „Dass die zehn Rollen mit nur drei Schauspielern besetzt waren, habe ich erst nach einer halben Stunde realisiert“, sagte Beatrice Severin bewundernd. Die Lehrkraft für Deutsch und Darstellendes Spiel findet es „großartig“, dass ihre Schüler Theater hautnah erleben können. Außer der räumlichen Nähe zu den Schauspielern erfahren die Jugendlichen in einem theaterbegleitenden Workshop einiges über Motive im szenischen Spiel, die Arbeit von Schauspielern und den Einsatz von Bühnenbildern.

Wie man mit einfachen Mitteln die komplexe Welt einer Elfjährigen darstellen kann, ohne ein einzige Mal den Vorhang zu ziehen, bewiesen die drei Schauspieler Simone Fulir als Polleke, Annett Siegmund als Freundin Caro, als Mutter, als Oma, als Freundinnen des Vaters und schließlich Thomas Weber als Pollekes Vater, als Opa, als Lehrer und als Mimun. Schauspielerische Glanzleistungen lieferten sie alle drei. Ohne einen einzigen Versprechen wirbelten sie durch das raffinierte Bühnenbild, wechselten augenblicklich Sprache und Mimik und versetzen das junge Publikum in staunende Begeisterung.

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