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Jugendschutz : Junge Testkäuferin entlarvt Schnapshändler

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

17-Jährige Auszubildende der Stadt konnte gleich in vier Geschäften hochprozentige Alkoholika erwerben. Gericht bestätigt Bußgeld.

Neumünster | Im Dauerkampf gegen den illegalen Schnapsverkauf an Minderjährige haben Neumünsters Jugendschützer einen wichtigen Sieg errungen: Zum ersten Mal hat das Amtsgericht am Mittwoch einen Verkäufer zu einer Geldbuße verurteilt, der von einem jugendlichen Testkäufer überführt worden war.

Der Verkäufer an der Kasse eines Lebensmittel-Discounters in der Innenstadt hatte der 17-Jährigen im Februar eine Flasche Jägermeister verkauft. Was er nicht wusste: Die junge Frau, eine Auszubildende der Stadt, war im Auftrag der Jugendbehörde unterwegs, um die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen in dem Supermarkt zu überprüfen.

Die Stadt konfrontierte den Verkäufer postwendend mit dem Verstoß und verhängte ein Ordnungsgeld über 275 Euro. Gegen den Bescheid legte der Betroffene Widerspruch ein. Weil er zum Gerichtstermin gestern aber gar nicht erst erschien, verwarf der Richter den Einspruch und bestätigte den Bußgeldbescheid: Neben der Ordnungsstrafe muss der Verkäufer jetzt auch noch die Gerichtskosten und Auslagen tragen – insgesamt etwa 350 Euro.

Schwacher Trost für den betroffenen Mann: Er war nicht der Einzige der von der jungen Testkäuferin ertappt wurde. Bei der Kontrolle am 21. Februar wurden ihr gleich in drei weiteren Verkaufsstellen hochprozentige Alkoholika verkauft, ohne auch nur nach dem Ausweis zu fragen. Für die Kontrolle hatten die Jugendschützer fünf Geschäfte – zwei Tankstellen, zwei Supermärkte und einen Kiosk – gezielt ausgesucht. Von Eltern und Jugendlichen hatten sie zuvor Hinweise erhalten, dass dort Alkohol und Zigaretten auch an Jugendliche abgegeben würden. Tatsächlich hielt sich bei der Überprüfung nur einer der Betriebe an das gesetzliche Verkaufsverbot.

Nach einer Änderung des Jugendschutzgesetzes dürfen die Kommunen seit September vergangen Jahres jugendliche Testkäufer einsetzen, um den illegalen Alkohol- und Zigarettenverkauf an Jugendliche besserer bekämpfen zu können. Hochprozentige Alkoholika und Zigaretten dürfen erst an Erwachsene ab 18 Jahren verkauft werden. Bei Verstößen drohen Geldbußen bis 50 000 Euro, in schweren Fällen auch Geld- oder Haftstrafen.

Zu dem Termin vor Gericht hatte der Richter auch die junge Testkäuferin der Stadt geladen. „Um Sie persönlich in Augenschein zu nehmen“, wie er der jungen Frau erläuterte. Hintergrund: In vergleichbaren Fällen versuchen sich die ertappten Schnapsverkäufer gerne rauszureden, der oder die Jugendliche habe viel erwachsener gewirkt. Das sei hier aber nicht der Fall, erklärte der Richter. „Sie sehen so jung aus, wie sie sind.“

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erstellt am 07.Aug.2014 | 05:30 Uhr

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