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Zeitzeugen : Junge Syrer berichteten über ihr Schicksal

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Flüchtlinge erzählen in der Immanuel-Kant-Schule von Unterdrückung und dem Verlust ihrer Heimat

Neumünster | Ammar Alamihee (25) und Alaa Ahmad Alsoofi (28), zwei junge Syrer, die seit August 2014 im Kreis Steinburg leben, besuchten gestern die 9. Klassen der Immanuel-Kant-Schule. In der Aula berichteten sie über ihre Flucht, über das unsägliche Leid ihrer und anderer Familien und über ihre auf lange Zeit verlorenen Heimat.

Neben den Schilderungen der Flucht über Turkmenistan und die Türkei und die damit verbundenen schrecklichen Erlebnisse präsentierten sich die beiden jungen Männer als gebildete und politisch über ihr eigenes Schicksal hinaus denkende Heimatlose. Alsoofi war Polizist, und Alamihees Vater war Polizeigeneral. Beide sagten sich vom herrschenden Diktator Assad los und flüchteten. „Deshalb können wir nicht mehr in unser Land zurück”, sagten beide. Mit Zahlen, die alle Schüler erschaudern ließen, belegten sie den Terror in ihren Land, von dem kaum eine Familie verschont geblieben sei. Unter Assads Herrschaft seien mehr Opfer zu beklagen als unter der Terrormiliz IS. „Das syrische Regime kümmert sich nicht um die Menschen, zerstört systematisch die gesamte Infrastruktur“, klagten die Gäste.

Über sein Handy und einen Projektor zeigte Alamihee Videosequenzen des Terrors gegen die Zivilbevölkerung. Dabei seien Kinder am schlimmsten betroffen und traumatisiert, erklärte der Syrer. Nur durch weltweite Hilfe und Unterstützung sei es möglich, diese Katastrophe zu beenden.

„Wir wissen davon nur aus den Medien. Es ist erschreckend, wenn man Details von Betroffenen, besonders über ihre Familien hört, meinte Lea Radhoff (15). „Es ist wichtig, nicht über Menschen, sondern mit ihnen zu reden“, fügte Marie Bach (15) an. Alle Umstehenden waren sich einig: „Diese Menschen brauchen Hilfe und ein Zuhause.“ Auf die Frage einer Schülerin, ob sie in Deutschland schon schlechte Erfahrungen machen mussten, meinten beide: „Nein, hier ist alles okay.“ Alamihee hofft, sein in der Heimat begonnenes Jurastudium bald fortsetzen zu können.

Organisiert hatte die Veranstaltung Ramona Berbercuma vom 13. Jahrgang. In einer kurzen Einführung wies sie darauf hin, dass diese Diskussion in den Rahmen der Schulprojekte gehöre, die unter dem großen Thema „Flucht und Vertreibung“ stehen.

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