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Kunstflecken : Junge Jazzer überzeugten mit Spielfreude

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Remi-Panossian-Trio und Nicole Johänntgen sowie Nicolas Gardel boten einige Überraschungen.

Neumünster | Das war nicht einfach, wie in der Vorankündigung geschrieben, ein Trio mit zwei Gästen. Es jazzten fünf exzellente Musiker im Kunstflecken-Konzert am vergangenen Freitag in der fast ausverkauften Werkhalle: Remi Panossian (Piano), Maxime Delporte (Kontrabass), Frederic Petitprez (Schlagzeug), das Remi-Panossian-Trio aus Frankreich, boten mit Nicole Johänntgen (Alt- und Sopransaxofon) und Nicolas Gardel (Trompete) ein kongeniales Spiel. Extreme Dynamik, Spielfreude und musikalischen Vielfalt: Das alles wurde in Perfektion geboten.

Das Trio gemeinsam oder nur Bass mit Schlagzeug, beziehungsweise das Piano, gaben vor und Nicole Johänntgen und/oder Nicolas Gardel improvisierten daraus überraschende und begeisternde Tonfolgen. Sie alle trieben sich gegenseitig und wechselten dabei von lyrischen Momenten bis zu Funk, Pop und Elektro.

Zugleich ließen sich alle fünf Musiker genügend Raum, um ihre Soundpaletten voll auszuloten. Und diese waren gewaltig. Nicole Johänntgens Saxofon wimmerte, schrie, zeterte, flüsterte, klagte oder war (fast) still, dann jubelte Gardels Trompete in ungeahnten Tonlagen.

In der Werkhalle war es minutenlang total still, ehrfürchtig lauschten die Konzertbesucher, und dann brach der Beifall los für den Gesamtklang und die gelungenen Solis.

Dabei waren die Zuhörer nicht vor Überraschungen sicher. Nicole Johänntgen warnte noch: „Macht Euch auf etwas gefasst!“ Was dann das Trio unter dem Titel „Shikiori“ (japanisches Holzhaus) musikalisch bot, lässt sich kaum in Worte fassen. Eine traditionelle japanische Melodie, durchgehend vorhanden, wird bis zum rockigen Jazz modern und äußert vielfältig interpretiert: Ein japanischer Gongschlag endet in einem Rhythmus-Spektakel der besonderen Art. Das Holzhaus wackelte beträchtlich. Die Folge: begeisterter Applaus.

Ebenso überraschend war eine Interpretation von „Handy aus – Flugmodus“. Was die Akteure für einen Wirbel aus dem Flugmodus machten, war beeindruckend. Mehrfach erhielten sie Beifall auf offener Szene. Es ist müßig, einen der musikalischen Interpreten hervorzuheben. Insgesamt spürten die Konzertbesucher, was Nicole Johänntgen sagte: „Mit den Jungs zu spielen, macht einfach Spaß.“

Knapp 300 Neumünsteraner erlebten eine neue junge Generation des Jazz mit eigenen (hohen) musikalischen Maßstäben. Dass das Remi- Panossian-Trio zwischen einer Koreareise und Nicole Johänntgen nach einer Finnlandtournee in Neumünster zum Kunstflecken auftraten, kann sich der veranstaltende Jazz-Club Neumünster als Highlight anrechnen, es setzt aber auch Maßstäbe.

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erstellt am 29.Sep.2014 | 07:00 Uhr

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