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Ratsversammlung : Junge Flüchtlinge überfordern die Stadt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge steigt dramatisch. Bündnis für Bürger und SPD wollen mehr Personal fürs Jugendamt.

von
erstellt am 07.Feb.2015 | 05:00 Uhr

Neumünster | Unter dem Druck dramatisch steigender Flüchtlingszahlen fordern SPD und Bündnis für Bürger (BFB) mehr Personal fürs Jugendamt – und eine stärkere Entlastung durch Land und Bund.

In einem Dringlichkeitsantrag für die Ratsversammlung am kommenden Dienstag schlägt Esther Hartmann (BFB) vor, die von der Stadt bereits in Aussicht gestellte Verstärkung des Fachdienstes Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD) vorzuziehen und zugleich mit dem Land über eine Beteiligung an den Personalkosten zu verhandeln. Esther Hartmann zufolge sollten die drei neuen Planstellen „sofort, zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ besetzt werden, um eine drohende Überlastung des ASD zu vermeiden und eine angemessene Betreuung junger Flüchtlinge ohne Begleitung sicherzustellen. Der ASD stehe ganz offenbar am Rande seiner Leistungsgrenze, was sowohl das Wohl der Mitarbeiter als auch der Flüchtlinge gefährde.

Hintergrund: Mit der wachsenden Flüchtlingswelle steigt auch die Zahl von Kindern und Jugendlichen dramatisch an, die auf ihrer Flucht ohne Begleitung von Erwachsenen in Neumünster stranden. Im Gegensatz zu den Erwachsenen, die nach der Erstaufnahme in der Zentralen Aufnahmestelle am Haart auf andere Kreise verteilt werden, werden die so genannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge bislang allein von der Stadt betreut und untergebracht. Musste sich das Jugendamt noch vor fünf Jahren gerade mal um drei junge Flüchtlinge kümmern, nahm der ASD 2013 schon 51 Kinder und Jugendliche in seine Obhut, Ende 2014 waren es 275. Allein im Januar 2015 kamen 28 Kinder hinzu. Die meisten stammen aus Afghanistan oder Syrien, fast 98 Prozent sind Jungs, viele von ihnen durch Flucht oder Krieg traumatisiert.

Beim ASD macht man darüber hinaus die Erfahrung, dass die neu ankommenden Kinderflüchtlinge immer jünger werden. „Es wird immer schwieriger, die Jugendlichen unterzubringen“, klagt ASD-Leiter Jörg Hellberg. Aber viele der Jungs seien hochmotiviert und wollten lernen. „Wir würden ihnen gern noch effektiver helfen“, meint Hellberg.

In ihrem Antrag beruft sich Esther Hartmann auf ein Gutachten, das vor zwei Jahren die Effizienz der Sozialverwaltung untersucht hatte. Die Experten hatten vorgeschlagen, das Personal im ASD um sechs Stellen zu erweitern. Da sich die Fälle durch die zusätzlichen Kräfte schneller bearbeiten und die Fallzahlen drücken ließen, rechne sich die Einstellung, machten die Gutachter deutlich. Die Stadt stockte auch zunächst um drei Stellen auf, hielt sich die Option auf eine weitere Ausweitung aber offen.

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Uwe Döring ist die Verstärkung des ASD daher auch keine echte Personalaufstockung; vielmehr sei sie im Personalplan der Stadt bereits eingepreist. Die Stadt sollte die Stellen jetzt vorzeitig besetzen, um zusätzliche soziale Lasten zu vermeiden, sagte Döring.

Auch die Forderung nach mehr Unterstützung durch Bund und Land wird von der SPD mitgetragen: Es sei etwa völlig unverständlich, dass der Bund zwar die Kosten der Betreuung übernehme, wenn ein freier Träger eingeschaltet sei, sich aber drücke, wenn die Kommune dieselbe Leistung selbst erbringe, so Döring.

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