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Tag der Heimat : Junge Flüchtlinge trugen die Fahnen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zehn unbegleitete Flüchtlinge zeigten auch ihre Landesflaggen / Redner betonten den Willen zur Integration

shz.de von
erstellt am 21.Jun.2016 | 15:00 Uhr

Neumünster | Eine einfache Geste mit deutlicher Botschaft: Gestern beim 67. landesweiten Tag der Heimat und Weltflüchtlingstag unter dem Motto „Identität schützen – Menschenrechte achten“ trugen zehn unbegleitete Flüchtlinge die Fahnen von Neumünster, Lötzen, den Landsmannschaften, Deutschland, Schleswig-Holstein, Dänemark und Europa in den Saal des Kiek In hinein. Allen voran Hekalat Heyderi (16) aus Afghanistan mit einer Fahne, die aus den verschiedenen Fahnen der Flüchtlingsländer bestand. „Wir wollen ihnen Hilfe anbieten, sie sind eine Bereicherung der deutschen Gesellschaft. Sie haben unseren Respekt verdient“, sagte Willi Treetzen, Vorsitzender des Kreisverbandes des Bundes der Vertriebenen (BdV), unter lautem Beifall.

„Danke für diese tiefe Symbolik. Neumünster ist eine Stadt mit überaus toleranten, gutherzigen und anpackenden Menschen. Wir gehen mit Respekt und Hochachtung mit Flüchtlingen um“, sagte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras. Er erinnerte an die 12,5 Millionen Menschen, die allein in Deutschland durch den Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verloren. „Damals prägten die Nissenhütten die Stadt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation sind diese Erinnerungen präsenter denn je“, so Tauras.

Propst Stefan Block hielt die Andacht. Er habe einen deutlichen Wandel in den Vertriebenenverbänden festgestellt, in denen „ein neuer Geist der Versöhnung und europäischen Gesinnung“ herrsche. Er wandte sich gegen Angst und Rechtspopulismus: „Leider scheinen aber auch alte Geister wieder Konjunktur zu haben. Gut, wenn wir wissen, was für Gefahren in der nationalen Abgrenzung liegen.“

Die Bedeutung der Vertriebenen für Schleswig-Holstein betonte Landtagspräsident Klaus Schlie. Auch wenn der Empfang nicht immer herzlich gewesen sei, habe Schleswig-Holstein profitiert vom Aufbauwillen der Neuankömmlinge – „eine Erfolgsgeschichte“. Aber man dürfe damals und heute Situation nicht vergleichen – heute sei Deutschland wohlhabenden und es herrsche zumeist eine Willkommenskultur. Zu den jungen, von der Iuvo betreuten Flüchtlingen sagte er: „Sie sind von Menschen umgeben, die einen ähnlichen Werdegang in ihrem Leben haben. Der Wille, sich aktiv einzubringen, ist der Schlüssel zur Integration.“

„Die Flüchtlinge kamen fremd vor, es herrschte ein abwertender Unterton. Sie wurden in Militärbaracken und Lagern interniert. Die Alliierten hatten die Grenzen zu Deutschland für die Zivilbevölkerung dichtgemacht, sie mussten in Dänemark bleiben“: Was Festredner Frank Lubowitz, Leiter des Archivs und der Forschungsstelle der Deutschen Volksgruppe in Nordschleswig schilderte, glich dem aktuellen Szenario. Er schilderte die Lage der rund 245  000 deutschen Flüchtlingen in Dänemark. Viele Dänen empfanden die Unterbringung der Deutschen nach dem Krieg als eine Art zweite Besetzung. Doch das Ende könnte gut in die heutige Zeit passen: Noch Jahrzehnte hielten viele Dänen und Deutschen Kontakt, und in dem damaligen Lager Oxbüll soll ein deutsches Flüchtlingsmuseum entstehen, erzählte Treetzen.

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