zur Navigation springen

Boostedt : Junge Flüchtlinge leben im eigenen Block

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Etwa 800 Menschen wohnen zurzeit in der ehemaligen Rantzau-Kaserne.

Boostedt | 37 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge leben in der Boostedter Rantzau-Kaserne. Wie sie betreut werden, wurde vorgestern Abend beim Runden Tisch der Boostedter Flüchtlingshilfe im Hof Lübbe erläutert.

Etwa 40 Besucher interessierten sich für das Thema. Neben dem Bürgermeister, einem Polizisten der Wache auf dem Gelände der Erstaufnahme und einem Vertreter des Landesamts für Ausländerangelegenheiten (LFA) bilden den Runden Tisch Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes, Vertreter der Kirche, Schule, des Sozialverbands, des Sportvereins und des Vereins Willkommen in Boostedt.

Wie der Leiter des Kreisjugendamts, Manfred Stankat, berichtete, sind aktuell rund 800 Flüchtlinge in der ehemaligen Rantzau-Kaserne untergebracht. Unter ihnen sind die 37 Jugendlichen unter 18 Jahren, die ohne Begleitung  geflohen sind. Seit November des vergangenen Jahres hat das LFA nicht mehr  die Fürsorge für sie. „Für sie ist jetzt das Jugendamt zuständig“, erklärte Stankat. Da aber zum Beispiel keine freien Heimplätze vorgehalten werden, wohnen die Jugendlichen in einem eigenen Block auf dem Gelände der Ex-Kaserne. „Wir mussten behelfsmäßig mit der Boostedter Lösung leben“, erklärte der Chef des Jugendamts. Die meisten jungen Leute sind zwischen 15 und 17 Jahre alt, der Jüngste bisher war 13 Jahre. „Viele sind Jungen im wehrfähigen Alter, die von ihren Familien vor dem IS oder dem Assad-Regime geschützt werden sollten“, sagte Stankat.

Sven Gebauer ist pädagogischer Leiter der Wiegmannhilfen, eine vom Jugendamt beauftragte Jugendhilfe. Er sorgt für eine 24-Stunden Betreuung der Jugendlichen. „Wir tun genau das, was wir auch für deutsche Jugendliche tun: Wir sorgen für Essen und Bekleidung, Schule, Freizeitbeschäftigung, Hygiene, und wir schlichten Streit. Die Freundlichkeit und Dankbarkeit sind sehr groß“, schilderte er.

Manfred Stankat wies auf die große Bedeutung von Vormundschaften und Gastfamilien hin. „Familien können aus ihrem privaten Alltag heraus eine sehr gute Integrationsleistung bringen“, sagte er. Maria von Glischinski, Leiterin des DRK-Betreuungsverbandes in Boostedt, wies darauf hin, dass sehr viele Familien in der Erstaufnahme seien. „Das Gelände ist voller Kinder. Die Frauen bleiben unter sich und haben keine Veranlassung, hinaus zu gehen. Man sieht in Boostedt daher häufiger Männer.“ Es gibt neuerdings ein Gebäude, in dem ausschließlich Mütter mit ihren Kindern leben, berichtete sie weiter. „Bei minderjährigen Müttern, die mit einem älteren Mann ankommen und angeben, verheiratet zu sein, prüft zudem ein Frauenfachberater das Wohl der jungen Frauen“, erläuterte Stankat weiter.

Irmgard Reichardt aus Boostedt war mit ihrem Mann zur Veranstaltung gekommen und war hochzufrieden: „Es war sehr informativ, das Thema war mir fremd. Eine Vormundschaft trauen wir uns mit unseren 70 Jahren allerdings nicht mehr zu“, sagte sie anschließend.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert