zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 04:15 Uhr

Aukrug : Junge Chinesen besuchen Aukrug

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

13 Jugendliche aus China lernen in Gastfamilien und bei Besichtigungen das Leben in Deutschland kennen.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Aukrug | „Mit gefällt besonders die Natur. Es ist so schön ruhig hier. Außerdem leben hier sehr viel weniger Menschen“, sagte Wanxin Chen. Für die 19-jährige Chinesin muss Schleswig-Holstein als ein großflächiges Dorf erscheinen, denn sie kommt aus Hengyang, einer Stadt im Süden Chinas mit über 7 Millionen Einwohnern (Schleswig-Holstein hat kaum 3 Millionen). Zusammen mit 12 anderen chinesischen Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren ist Wanxin Chen noch bis zum 28. Juli beim Sommercamp für Chinesen in Aukrug. Sie wohnt in einer Gastfamilie.

Organisator des Projekts ist Jesko Petersen (24), ein Aukruger, der zurzeit in Göttingen Chinesisch und Englisch auf Lehramt studiert. Er zeigt seinen Besuchern das Alltagsleben in und rund um sein Heimatdorf.

Und warum gerade das beschauliche Aukrug als Mittelpunkt? „Ich habe selbst in Gastfamilien in China gelebt und dort einen Blick hinter die Touristen-Kulissen werfen können. Das möchte ich den jungen Chinesen hier auch ermöglichen, denn so kommt man einer Kultur viel authentischer näher“, erklärte der junge Mann.

Er hat täglich von 9 bis 17 Uhr ein Programm geplant, so bietet er neben Deutschkursen und Ausflügen auch Freiwilligenarbeit an, wie etwa die Pflege der Heidelandschaft bei Bünzen. Gestern gab es einen Besuch in den Werkstätten für Behinderte auf dem Aukruger Erlenhof. Der Leiter der Wäscherei, Hartmut Scheffler, führte die neugierigen jungen Leute durch den großen Betrieb.

„Jedes Volk lebt anders. Ich finde es klasse, dass sie hier sind und sich ansehen, was es bei uns gibt“, erklärte er zwischen dampfenden Mangeln und schleudernden Waschmaschinen. „Auch bei uns gibt es Einrichtungen, in denen behinderte Menschen arbeiten, allerdings in ganz kleinen Gruppen zu dritt oder zu viert“, berichtet Wanxin Chen auf Englisch.

Danach ging es zum gemeinsamen Mittagessen zu Jesko Petersens Familie, wo alle das Essen zubereiteten. „Beim Kochen sind schon lustige Kreationen entstanden. Wir haben Knödel gemacht, und einer hat eine süß-saure Soße dazu gegeben – das hat überraschend lecker geschmeckt“, erzählte Jesko Petersen.

Zu Beginn des 13-tägigen Aufenthalts hat er sich mit den Schülern und Studenten über ihre Erwartungen, Wünsche und Ängste ausgetauscht. „Da wurde auch die Angst vor einem Terror-Angriff geäußert, denn das ist das, was sie in den Nachrichten sehen“, berichtete der Aukruger. Mittlerweile haben sich die Teilnehmer der Gruppe ganz gut kennen gelernt: „Wir haben ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Wir scherzen miteinander, manchmal muss ich aber auch streng werden, wenn ich sie zum Beispiel davon abhalten muss, einfach auf der Straße zu spazieren“, erzählte der Organisator.

Andere kulturelle Unterschiede sind ihm aus seinen eigenen Aufenthalten in China schon bekannt: „Die Chinesen gehen unglaublich langsam, das kann bei Termindruck ein echtes Problem werden. Und was in China als absolute Unsitte gilt, ist das Naseputzen bei Tisch.“

Es ist das erste Austauschprogramm, das Jesko Petersen organisiert. Im nächsten Jahr soll es wieder eins geben. „Es ist zwar auch anstrengend, macht mich aber unglaublich glücklich.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen