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Gericht : Junge (3) rettete seiner Mutter das Leben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mann aus Faldera stach auf seine Mutter ein. Das Kieler Landgericht muss entscheiden, ob er in der Psychiatrie untergebracht wird.

Neumünster | Ein blutiges Familiendrama beschäftigt seit gestern die Jugendkammer des Kieler Landgerichts. Laut Anklage stach der offenbar psychisch kranke Neumünsteraner (19) im Sommer vergangenen Jahres mehrfach auf seine Mutter ein und ließ sie lebensgefährlich verletzt in der gemeinsamen Wohnung in Faldera zurück (der Courier berichtete). Nur weil ihr der kleine Sohn (3) half, konnte die Frau noch rechtzeitig einen Notruf absetzen und letztendlich gerettet werden.

In Hand- und Fußfesseln wurde der Angeklagte, der zurzeit in einer Klinik untergebracht ist, gestern in den Gerichtssaal geführt. In dem sogenannten Sicherungsverfahren wird es in den kommenden Wochen um die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie gehen. Bis auf die Anklageverlesung und das Urteil findet das Verfahren komplett hinter verschlossenen Türen statt. Die Kammer begründete ihre Entscheidung zum einen mit der Krankheit des Angeklagten. Aber auch seine Jugend – er war zur Tatzeit erst 18 Jahre und somit ein Heranwachsender – sowie der Schutz der gesamten Familie spielte beim Ausschluss der Öffentlichkeit eine Rolle für die Juristen.

Schweigend und nahezu bewegungslos hörte der große Mann mit den auffallend weichen jugendlichen Gesichtszügen auf der Anklagebank den Worten des Staatsanwalts zu. Der Jurist schilderte in der Anklage, was am Abend des 31. August 2016 in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus am Wernershagener Weg geschah. Demnach soll der junge Mann gegen 20 Uhr „aus ungeklärtem Anlass, vermutlich in Folge einer schizophrenen Erkrankung“, plötzlich mit einem Küchenmesser auf seine Mutter losgegangen sein. Mindestens drei Mal soll er auf die 39-Jährige eingestochen haben. Die 20 Zentimeter lange Klinge verursachte tiefe Verletzungen an Lunge, Leber und Dickdarm. Aufgrund des hohen Blutverlustes schwebte die Frau in akuter Lebensgefahr, so der Staatsanwalt. Trotzdem soll der Angeklagte die Wohnung verlassen haben – „in der Annahme, dass sie nun tot sei oder an den Verletzungen sterben würde“, hieß es weiter. Weil sein dreijähriger Halbbruder der Mutter offenbar das Telefon brachte, konnte sie noch rechtzeitig Hilfe herbeirufen. Sie wurde im Friedrich-Ebert-Krankenhaus notoperiert.

Den 18-Jährigen entdeckten Polizisten wenig später ein paar Straßen von der Wohnung entfernt. Laut Polizei leistete er bei seiner Festnahme Widerstand.

Für das Verfahren hat die Kammer bis Anfang April acht Verhandlungstage eingeplant. Unter anderem sind ein psychiatrischer Sachverständiger, ein Rechtsmediziner und die Jugendgerichtshilfe vor Ort. Sie sollen ebenso wie zahlreiche Zeugen helfen, den jungen Angeklagten einzuschätzen.

 

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erstellt am 24.Feb.2017 | 08:32 Uhr

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