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Spendenaktion : Julian (15) hat seine eigene Sprache

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Aktion Adventslicht bescherte jungen Autisten und bedachte auch seinen jüngeren Bruder / Behinderung ist der Folgeschaden einer Frühgeburt

Auch wenn Julian (15) sich nicht mit Worten ausdrücken kann, klappt die Verständigung mit seiner Mutter Diana Schütt (43) ziemlich fix. Mit Lauten und Handzeichen deutet er den Wunsch an, in eine bestimmte Ecke des Spielzeugladens zu gehen. „Na, dann gib’ die Jacke her und geh!“, sagt sie. Es dauert keine fünf Sekunden, da hat sie die Jacke auf dem Arm und Julian ist hinter Regalen verschwunden. Er wurde jetzt von der Aktionsgemeinschaft zur Förderung von Behinderten und Benachteiligten im Rahmen der Aktion Adventslicht vorweihnachtlich beschert. Julian ist einer von vielen Fällen , in denen das Team der Aktionsgemeinschaft mit kleinen und großen Spenden weiterhilft.

Die ersten Lebensjahre des Jungen verliefen dramatisch und anstrengend für alle Beteiligten. Als Julian zur Welt kam, war es völlig unklar, ob er überhaupt überleben würde. Eine Fruchtwasservergiftung, die nicht rechtzeitig entdeckt worden war, machte eine viel zu frühe Geburt nötig. Er kam am Anfang des sechsten Monats zur Welt, wog 590 Gramm, war unterernährt. „Das waren schlimme Zeiten“, erinnert sich seine Mutter. Ein Jahr lag der Kleine im Brutkasten, war an eine Beatmungsmaschine angeschlossen, zu Hause musste er mit einer Sonde ernährt werden.

Das alles hinterließ bleibende Schäden. Julian ist zu 100 Prozent körperlich und geistig behindert, er ist Autist, leidet an einer Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), ist überaktiv. „Bis er vier Jahre alt wurde, war nicht klar, ob er über den Berg ist“, sagt die 43-Jährige, die Julian und seinen Bruder Ercan Pascal (6) inzwischen alleine erzieht. Inzwischen ist Julian medikamentös eingestellt, sein Zustand ist meistens stabil. Trotzdem ist das Leben für Diana Schütt nicht einfach, denn Julian muss rund um die Uhr betreut werden. Da er auf die Fröbelschule geht und auch vom Sozialdienst der Stadt dreimal pro Woche betreut wird, hat sie gelegentlich ein paar Stunden für sich. Arbeiten könnte die gelernte Gartenbau-Werkerin nur einige Stunden vormittags – aber bei Hinweisen auf ihr Sorgenkind scheuen sich bisher potentielle Arbeitgeber: „Ich könnte plötzlich ausfallen, wenn etwas mit Julian ist. Er hat beispielsweise Krämpfe. Die Ursache ist nicht zu ermitteln.“

Der Junge verständigt sich auf ganz besondere Art und Weise mit seiner Umwelt. Er hat einen Computer („Talker“), in dem alles Mögliche eingespeichert ist – die Namen seiner Lehrer, Speisen, Getränke, das Waschen, Zähneputzen und Zu-Bett-Gehen oder Hobbys wie ein Ball. Mit diesen Symbolen kann er seiner Mutter oder anderen signalisieren, was er will. „Er hat eben eine andere Sprache“, sagt Diana Schütt, die sich sehr darüber freute, dass Julian mit Spielzeug für die Motorik beschenkt wurde und ihr jüngerer Sohn mit einer Carrera-Bahn bedacht wurde.

Wer helfen möchte: Das Spendenkonto der Aktion Adventslicht ist bei der Sparkase Südholstein eingerichtet. Die Bankleitzahl ist 23051030; die Kontonummer lautet 282820.

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