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Talentcampus : Jugendliche entdecken ihre kreative Seite

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In drei Projekten der VHS bauen die Teilnehmer Skulpturen, drehen Videofilme und studieren Stücke für ein Konzert ein.

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erstellt am 05.Aug.2015 | 12:00 Uhr

Neumünster | Eigentlich hat die 13-jährige Arianna Stern gerade Sommerferien und könnte ihre Freizeit mit ihren Freundinnen am See oder im Café verbringen. Stattdessen trifft sich die Achtklässlerin seit drei Wochen täglich mit 40 anderen Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren in der Volkshochschule (VHS) an der Gartenstraße. Dort finden in diesem Jahr zum dritten Mal die Talentcampus-Projekte statt, die im Rahmen der Aktion „Kultur macht stark“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden.

Die mehrwöchigen Angebote richten sich an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche und werden unterstützt von der Musikschule, der Stadtbücherei, dem Deutsch-Russischen Verein „Gemeinsam unterwegs“, der Gerisch-Stiftung und der gemeinnützigen Gesellschaft „Iuvo“, die sich unter anderem um die Betreuung von unbegleiteten jungen Flüchtlingen kümmert.

Drei Projekte werden in diesem Jahr von der VHS angeboten, jedes von ihnen besteht aus zwei Bausteinen. „Der erste Teil, der immer am Vormittag stattfindet, beschäftigt sich mit dem Erwerb von Kompetenzen, darunter beispielsweise das Erlernen der deutschen Sprache. Der zweite Part am Nachmittag beinhaltet kreative Elemente“, erklärt VHS-Mitarbeiter Thorsten Kehl den Hintergrund.

Bei den Teilnehmern des Workshops „Sprache hat viele Ausdrucksformen“ handelt es sich um junge, unbegleitete Flüchtlinge, die durch die „Iuvo“ betreut werden. Die 15- bis 18-Jährigen kommen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Aserbaidschan oder dem Jemen. Sie erhalten am Vormittag Sprachunterricht und dürfen am Nachmittag ihre kreative Seite ausleben. In einem Waldstück in Schillsdorf fertigen die Jugendlichen unter Anleitung von Wilhelm Bühse, Museumspädagoge der Gerisch-Stiftung, mannshohe Glückswächter-Skulpturen aus Holz an. „Für viele Teilnehmer hat diese Aufgabe etwas Therapeutisches. Sie haben dadurch die Möglichkeit, etwas auszudrücken, was sie verbal nicht transportieren können“, erklärt Kehl.

Das zweite Angebot „Stärken stärken“ zielt darauf ab, den Teilnehmern eine Orientierung der eigenen Fähigkeiten zu geben. Im Verlauf des Projekts formiert sich die Gruppe zu einer Band, die ein kleines Repertoire einstudiert und zum Abschluss ein Konzert in der Musikschule präsentieren wird. „Die Teilnehmer lernen, welche beruflichen Perspektiven es gibt und welche Kompetenzen dafür benötigt werden. Auch in der Gruppe müssen sie diszipliniert und zuverlässig arbeiten – und das unter Hochdruck“, erklärt die stellvertretende VHS–Leiterin Marianne Harms.

Das dritte Projekt trägt den Titel „Keine Chance für Mobbing“. „Die Teilnehmer sind Jugendliche mit russischen Wurzeln, deren Eltern mit der deutschen Sprache häufig noch nicht so vertraut sind“, sagt Marianne Harms. Nach gemeinsamen Recherchen zum Thema sind die Teilnehmer derzeit dabei, kleine Spielszenen mit der Kamera aufzunehmen und daraus einen Film zu schneiden. Mit den bisherigen Zwischenergebnissen ist Thorsten Kehl mehr als zufrieden: „Die Projekte helfen den Teilnehmern, Fuß zu fassen. Sie saugen wie ein Schwamm alles auf und trauen sich Dinge zu, die sich sich früher nicht zugetraut hätten.“ „Nachbar“ auf Seite 10

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