Vogelschiessen : Jürgen Bartram ist neuer König der Bürgergilde

Günter Eckert (links) und Sören Winkler (rechts) nahmen Jürgen Bartram nach dem Königsschuss auf ihre Schultern und trugen ihn ins Festzelt.
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Günter Eckert (links) und Sören Winkler (rechts) nahmen Jürgen Bartram nach dem Königsschuss auf ihre Schultern und trugen ihn ins Festzelt.

Der Vogel fiel um 18.22 Uhr vom Mast

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28. Mai 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | Die Bürgergilde zu Neumünster seit 1578 feiert ihren neuen König Jürgen Bartram. Um 18.22 Uhr holte der Kaufmann den hölzernen Adler beim Vogelschießen im Tierpark von der Stange und repräsentiert nun als Nachfolger von Heiner Schulz-Hildebrand in den kommenden zwei Jahren die Bürgergilde.

„Ich bin total überwältigt und habe nicht damit gerechnet, dass ich heute König werde“, sagte Bartram. Der 51-Jährige entstammt aus einer alten Neumünsteraner Gilde- und Fabrikantenfamilie und ist seit 15 Jahren in der Bürgergilde. Bartram ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Hamburg. Das Geschäft führt der ehemalige Holstenschüler aber in Neumünster.

Nach dem Königsschuss wurde die neue Majestät der Bürgergilde nach alter Tradition auf den Schultern der Gildebrüder ins Festzelt getragen und hier proklamiert. Zur Tradition und zum Zeremoniell gehört, dass nach dem Anlegen der Königskette der historische goldene Gildebecher in einem Zug geleert wird.

Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger überreichte noch die städtische Apanage für den neuen Gildekönnig: 16 Thaler Courant – in heutiger Währung 25 Euro. „Die Gilden wurden ursprünglich als Brand- und Totengilden gegründet“, machte Bürgergilde-Capitain Ulf-Christian Mahlo deutlich. Heute stehen sie allerdings eher für die Pflege der Tradition und auch für soziales Engagement in ihrer Heimatstadt Neumünster. Das zeigte sich auch am Schießtag in einer noblen Spende. Der Förderverein der Fröbelschule darf sich über einen Scheck über 1000 Euro von der Bürgergilde freuen.

Begonnen hatte der Schießtag am Morgen mit dem Appell an der Gilde-Eiche auf dem Kleinflecken und der Betstunde in der Vicelinkirche. Propst Stefan Block hatte der Gilderolle von 1654 entnommen, dass Rumoren, Würfel und Kartenspiel zum Vogelschießen verboten seien. Vor allem dürfe kein Bier verschüttet werden.

Für das Loblied auf den Gerstensaft gibt es sogar theologische Argumente und prominente Fürsprecher. Schon Reformator Martin Luther habe täglich sein Maß Bier getrunken, das in Maßen genossen gesund, gut für die Seele und Sinnbild des Gottvertrauens sei. Beim anschließenden Umzug durch die Innenstadt reichte die Geschäftswelt wieder in einer schönen Geste Erfrischungen und Marschverpflegung.

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