Nachrichten auf CD : Jubiläum: Zehn Jahre Hörzeitung für Blinde

Die Mitglieder der Hörzeitung freuen sich jedes Mal auf die wöchentlichen Aufnahmen im Seniorenbüro. Sitzend, von links: Helmut Freye, Karin Foth, Heidrun Rohwer. Stehend, von links: Ursula Werner, Annelore Sterzik, Annkatrin Thiemann. Stehend, ganz rechts: Romi Wietzke vom Seniorenbüro.
Die Mitglieder der Hörzeitung freuen sich jedes Mal auf die wöchentlichen Aufnahmen im Seniorenbüro. Sitzend, von links: Helmut Freye, Karin Foth, Heidrun Rohwer. Stehend, von links: Ursula Werner, Annelore Sterzik, Annkatrin Thiemann. Stehend, ganz rechts: Romi Wietzke vom Seniorenbüro.

Ehrenamtliche lesen Courier-Nachrichten für Blinde und Sehbehinderte vor und nehmen sie auf. Mehr als 10 000 Hör-CDs wurden bisher gebrannt und verschickt.

shz.de von
01. März 2017, 12:00 Uhr

Neumünster | Für blinde Menschen ist das Angebot von lokalen Nachrichten dünn. Fernsehen und Radio beschäftigen sich, wenn überhaupt, meist nur wenig ausführlich mit Ereignissen in und um Neumünster. Doch für die Stadt existiert eine Besonderheit: Mittlerweile im zehnten Jahr erscheinen wöchentlich Nachrichten aus dem Holsteinischen Courier für Blinde und Sehbehinderte. Jeden Freitag spricht die Gruppe der Blinden-Hörzeitung die wichtigsten und unterhaltsamsten Inhalte auf CD und verschickt sie kostenlos an alle Interessierten.

Karin Foth leitet die sechsköpfige Gruppe aus Ehrenamtlichen, die sich für die Aufnahmen in den Räumen des Seniorenbüros treffen. Sie ist als einzige von Anfang an dabei. „Zu Beginn haben wir noch auf Kassette gesprochen. 2009 sind wir dann auf CD umgestiegen“, erinnert sie sich. Auf eine Scheibe passen 72 Minuten, was im Schnitt für knapp 40 Beiträge reicht. Die Auswahl aus den Ereignissen der Vorwoche wird gemeinsam getroffen: Stadtnachrichten und kulturelle Veranstaltungen haben Priorität. „Ganz wichtig sind auch die Sterbefälle. Das wollen die Leute wissen“, sagt Karin Foth. Hein Tüt ist immer dabei, genauso wie eine Übersicht der Hörfilme im Fernsehen.

Wenn dann noch Platz ist, wird nach persönlichen Vorlieben entschieden. Annelore Sterzik und Heidrun Rohwer, die ehemaligen Lehrerinnen im Team, lesen gern Nachrichten zur Schule. Annkatrin Thiemann gefallen positive Berichte. „Die Zeitungen sind so voller schlechter Nachrichten, da ist es wichtig, auch das Gute zu zeigen“, sagt sie. Ab und an gibt es Sonderveröffentlichungen: zu Angeboten für Hilfebedürftige, zu Weihnachten oder zu Beiträgen aus der Seniorenredaktion des Couriers. „Die war vor einigen Jahren bei uns zu Besuch. Die Autoren haben ihre Artikel selbst eingelesen“, sagt Karin Foth.

Etwas Gutes für andere zu tun, ist die größte Motivation für alle. „Ich finde es wichtig, dass Blinde und Sehbehinderte teilhaben am gesellschaftlichen Leben. Und dabei spielen Nachrichten eine große Rolle“, sagt Ursula Werner. Helmut Freye hat eine persönliche Verbindung zum Thema: „Mein Schwiegervater war auch blind. Darum kann ich gut nachvollziehen, was das bedeutet.“ Außerdem genießt er das Zusammensein „in dieser netten und sympathischen Runde“, wie er sagt – um umgehend „Hahn im Korb!“-Rufe und Gelächter zu ernten.

Immer im Dreierteam sprechen sie abwechselnd die Texte ein. „So weiß der Hörer gleich: Neue Stimme, neues Thema“, erklärt Karin Foth. Sie führt Regie und regelt die Technik. Kleinere Versprecher bleiben drin – „das macht es menschlich“ –, anschließend werden die CDs gebrannt und an die durchschnittlich 35 bis 40 Hörer verschickt.

Unterstützt wird die Hörzeitung, die ein Projekt des Seniortrainer-Vereins ist, vom Blinden- und Sehbehindertenverein und dem Seniorenbüro, das der Projektträger ist. Der Courier stellt kostenlos Frei-Abonnements zur Verfügung, verschiedene Sponsoren spenden für die CD-Rohlinge. „Wir brauchen im Jahr CDs für rund 400 Euro. Über die Jahre haben wir mehr als 10  000 CDs gebrannt“, rechnet Karin Foth durch. Lohn der Arbeit sind Zuschriften dankbarer Hörer, in denen es etwa heißt: „Danke für die wunderbare Arbeit, durch die Neumünster für mich lebendig bleibt.“



>Blinde oder Sehbehinderte, die Interesse an der kostenlosen Hörzeitung haben, können sich beim Seniorenbüro melden, Großflecken 71, Tel. 9  42  27  54.


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