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20 Jahre ZBS : Jubiläum bei der Hilfe für Obdachlose

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit 20 Jahren gibt es die diakonische Wohnungslosenhilfe. Diakonie-Geschäftsführer fordert mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt.

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erstellt am 05.Nov.2015 | 08:30 Uhr

Neumünster | Inmitten einer besonderen Ausstellung feiert die Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot (ZBS) gestern in der Anscharkirche Jubiläum: Vor 20 Jahren wurde die diakonische Wohnungslosenhilfe in Neumünster gegründet. Für die rund 40 Gäste aus Politik, Verwaltung und Kirche, die von Propst Kurt Riecke begrüßt wurden, war das keineswegs ein Anlass für ungetrübte Freude. Stattdessen nahmen sie das Jubiläum zum Anlass, um auch zahlreiche aktuelle Probleme zu diskutieren. Gleichzeitig ließen sie die Arbeit der ZBS Revue passieren.

1995 wurde die Einrichtung gegründet, nachdem eine Studie auf die Zunahme von Wohnungsnot im Land – insbesondere in kreisfreien Städten – aufmerksam gemacht hatte. Das Neue an der ZBS: Es sollten nicht nur Obdachlose mit einem Schlafplatz versorgt werden, sondern intensive Beratung sollte bereits vorab verhindern, dass Mieter ihre Wohnung verlieren. Der präventive Aspekt macht seitdem einen Großteil der Arbeit aus. Mehr als 13  652 Menschen wurden seitdem beraten. Mehr als 4000 kamen in den 20 Jahren in der Übernachtungsstelle unter. Über 41  000 von Armut Betroffene besuchten die 1997 eröffnete Tagesstätte.

Die beachtlichen Zahlen spiegeln die große Bedeutung der Anlaufstelle wider. „In den Anfangsjahren sind die Mitarbeiter der ZBS noch abends durch die Parks in Neumünster gegangen, um die Obdachlosen in die Übernachtungsstelle an der Gasstraße 12 zu bringen. Diese Werbung ist nach 20 Jahren überflüssig“, erklärte Diakonie-Geschäftsführer Heinrich Deicke. Auch in jüngster Zeit reißen die Problemfälle nicht ab. 165 Männer und 29 Frauen kamen im Jahr 2014 in der ZBS unter, weil, sie kein Dach mehr über dem Kopf hatten. „Die Arbeit der ZBS hat dazu geführt, dass Armut und Obdachlosigkeit in Neumünsters Stadtbild nicht so präsent sind wie in anderen Städten. Ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst beantworten“, so Deicke. Gleichzeitig kritisierte er die Entwicklung auf dem hiesigen Wohnungsmarkt. „Der Markt für günstige Wohnungen in Neumünster ist hart umkämpft. In den vergangenen zwei Jahren sind 750 Wohnungen aus der Sozialbindung gefallen“, so Deicke. Er forderte einen „Masterplan für bezahlbares Wohnen“. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen in Sozialleistungsbezug gegen Flüchtlinge ausgespielt werden, so wie es in Neumünster schon versucht wurde“, mahnte der Geschäftsführer. „Die meisten unserer Klienten leben von einem kleinen Einkommen oder Sozialleistungen. Und fast alle haben Schulden angehäuft. Für viele Vermieter ist das ein Ausschlussgrund“, sagte Melanie Popp, Leiterin der ZBS. Sie beobachtet seit 2007 einen stetigen Anstieg der entsprechenden Hilferufe in ihrer Anlaufstelle.

Die Lebensumstände der Betroffenen sind noch bis zum 15. November in der Ausstellung „Projekt Armut“ der Bonner Künstlerin Jana Merkens in der Anscharkirche zu sehen. Neun Plastiken aus den Werkreihen „Gesichter von Hartz IV“ und „Obdachlos“ im Maßstab 1:4 zeigen das Leben in Armut und auf der Straße und lassen Gründe erahnen, die zu Obdachlosigkeit führen können.


>Die Ausstellung ist am 6., 7., 9., 11., 13. und 14. November von 14 bis 17 Uhr zu sehen sowie am 8. und 15. November nach dem Gottesdienst. Schulklassen und Gruppen können unter Tel. 41  95  10 Termine mit Führung vereinbaren. Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe sind während der Öffnungszeiten vor Ort.

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