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Poetry Slam : Jubel und Pfiffe für die Wortakrobaten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kunstflecken in Buchstaben: Junge Sprachkünstler überzeugten beim Poetry Slam mit kabarettreifen Texten in der ausverkauften Werkhalle.

Neumünster | „Alle Dichter lügen“, behauptete Platon einst. Was soll’s ! Wenn sie es so interessant machen wie die acht Wortkünstler am Donnerstagabend beim Poetry Slam in der ausverkauften Werkhalle, fragt keiner nach dem Wahrheitsgehalt.

Sprachakrobatik und sprühender Witz, überraschende Wortkreationen und leidenschaftliche Vortragsweisen überzeugten das altersgemischte Publikum.

In sechs Minuten präsentierte jeder Dichter selbstverfasste Texte, die das Publikum mit Applausstärke bewertete. Und damit der Beifall einigermaßen messbar ist, bewerteten sieben Publikumsjuroren mit Punkten zwischen eins und zehn. Dabei gelten zehn Punkte einem Text, „der so einmalig ist, dass man ihn sich auf die Brust tätowieren möchte“, so der Moderator und deutschlandweit bekannte Slam-Veranstalter Björn Högsdal.

Tosenden Applaus bekam die 17-jahrige Viktoria Helene Bergemann aus Reinbek, die in rasender Geschwindigkeit Wortsalven über die Egozentrik einer Primzahl herausschoss.

„Das Tolle an Poetry Slams ist, dass die Leute kommen, um zuzuhören. Wenn ich etwas geschrieben habe, möchte ich das dringend jemandem präsentieren” erklärte die Schülerin. „Ich schreibe seitdem ich zwölf bin – und das ununterbrochen. Wenn ich unterwegs bin und mir fällt etwas Gutes ein, notiere ich es im Handy und kann es dann kaum erwarten, zu Hause einen Text daraus zu machen. Normalerweise lerne ich ihn auswendig, aber dieser ist noch recht neu, daher lese ich vom Zettel“, fügt sie hinzu.

Höchst geschickt verstand es der Kieler Torsten Wolff, die Sprache selbst zum Thema seines Vortrags zu machen. Dass sie als Quelle für Missverständnisse unerschöpflich ist, präsentierte der erfahrene Slammer bissig-satirisch, als er über das „Neusprech-Diskriminierungs-Abbauprogramm (NSDAP)“ herzog, bis die Zuschauer sich bogen vor Lachen.

Die Zuschauerin Sabine Scheuermann favorisierte Torsten Wolff bereits in der Pause: „Hut ab vor seinerLeistung! Da stimmt einfach alles: Performance und Inhalt. Ich bin begeisterte Poetry-Slam-Besucherin und habe schon viele tolle Texte gehört, aber dieser ist perfekt.“

Ins Finale zogen neben Bergemann und Wolff auch noch die großartigen Mona Harry und Paul Fejfar. Das Publikum, das den Gewinner schließlich durch seinen Applaus kürte, pfiff, klatschte, trampelte und johlte dann eindeutig für Torsten Wolff.

Ein besonderes Highlight dieses Poetry Slams war der Auftritt von Harry Baker, dem Slam-Weltmeister 2011. Mit hautenger Neonstrumpfhose und pinkem Pulli machte der deutschsprachige Londoner gleich klar, dass er sich selbst nicht rasend ernst nimmt. Das Publikum hat es ihm jubelnd gedankt.
 

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erstellt am 20.Sep.2014 | 11:00 Uhr

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