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„Job-Act“: Theater-Lektionen fürs ganze Leben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Düster und schlechtgelaunt stapft Ebenezer Scrooge heran. Er soll für einen guten Zweck spenden. Spenden? „Humbug. Die Gefängnisse sind überfüllt. Sollen sie doch verrecken“, poltert er. Die kleine Zuhörerschar ist beeindruckt von dem Grummelpott – zumal es sich beim Jungschauspieler Manuel Dittloff (24) und seinen Mitspielern um Einsteiger handelt. Beim Projekt „Job-Act“ des Jobcenters lernen Jugendliche und junge Erwachsene, die zurzeit keine Ausbildung haben, wie man ein Theaterstück auf die Beine bringt.

Und das heißt nicht nur, auf der Bühne zu stehen: „Die Teilnehmer erarbeiten, was zum Stück gehört, denken sich das Bühnenbild aus, machen die Pressearbeit“, sagt Theaterpädagogin Ilona Januschewski, die das Projekt federführend mit der Diplom-Pädagogin Sabine Kuhlmann von der Awo-Service-GmbH und der Jobcenter-Teamleiterin Anna-Lena Peschties betreut. Das Konzept stammt von der Projektfabrik aus Hannover (der Courier berichtete). Bis zu 20 Jugendliche ohne Ausbildung schauen so über ihren Tellerrand hinaus, lernen Sozialkompetenzen fürs Leben, realisieren etwas selbstständig, werden selbstbewusst. Es handelt sich um ein bundesweit ausgezeichnetes Projekt, das erstmals in Neumünster stattfindet.

Und mit Erfolg: Gestern mimten die jungen Akteure mit Ambitionen auf Berufe als Graphiker, Gartenbauer, Bäcker oder Design den Weihnachtsklassiker um den Weihnachtsmuffel in mehreren Szenen. Nachdem drei Geister dem Gefühlsskeptiker vor Augen führen, wie schön es ist, im Kreise der Familie glücklich zu sein und anderen etwas Gutes zu tun, wandelt er sich: „Ich fühle mich jünger, fröhlicher.“ Manuel als Scrooge erhielt Extra-Applaus, aber auch Anna Böhlick (23), Verena Janßen (23), Jan Döring (24), Nils Bußkamp (17) und Jessica Weßel (23) erhielten viel Beifall von den Jobcenter-Mitarbeitern. Und das, obwohl die Truppe krankheitsbedingt improvisieren, Rollen mehrfach besetzen und Manuel spontan die Hauptrolle übernehmen musste. „Das macht ’ne Menge Spaß, die Teamarbeit schweißt zusammen. Außerdem bin ich eine Rampensau“, erklärte er lachend. Sein Berufswunsch: „Entweder Schauspieler oder Bundeswehr.“ „Man erhält Einblicke in kreative Berufe“, ist das Fazit von Anna Böhlick.

Das „Job-Act“-Projekt ist freiwillig, die Teilnehmer beziehen weiterhin Leistungen. Es sind noch Plätze frei. Interessierte melden sich bei Svenja Göttsch, Jobcenter, Tel. 5 58 62 13.

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