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Unterwegs in Faldera : Jetzt ist Ausnahmezustand für die Paketzusteller

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In den Wochen vor Weihnachten haben die Frauen und Männer der Post richtig viel zu tun / Courier-Redakteur Christian Lipovsek fuhr eine Frühschicht mit Stefan Heine in Faldera mit

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2016 | 12:00 Uhr

Neumünster | In der Vorweihnachtsszeit herrscht absolute Hochsaison bei der Paketzustellung. Da können die Boten ganz schön viel erleben. Courier-Redakteur Christian Lipovsek hat einen DHL-Boten bei seinem Advents-Marathon mit Päckchen und Paketen begleitet. Hier ist sein Bericht.

Es ist schon richtig was los, als ich um 7 Uhr im Industriegebiet Süd unterwegs bin. Viele Laster kommen mir entgegen, auch einige gelbe mit DHL-Logo. Mein Ziel ist das Paketzentrum der Deutschen Post am Krokamp. 300 Menschen arbeiten dort in der Regel, doch im Moment sind alle Regeln außer Kraft gesetzt: Es ist Weihnachtszeit. Statt 200    000 Sendungen werden hier nun bis zu 400    000 pro Tag bearbeitet, unzählige zusätzliche Aushilfen bewegen Berge von Kartons.

„Wir laufen längst im Starkverkehr“, sagt Martin Grundler, Sprecher des Konzerns, der mich erwartet. Mit dem Auto fahren wir an riesigen Hallen vorbei. Ganz hinten halten wir an. An rund zwei Dutzend Rampen stehen 18 gelbe Transporter. Sie werden gleich im Stadtgebiet von Neumünster unterwegs sein. Hinter den offenen Ladeluken herrscht emsiges Treiben. Rollcontainer mit Paketen und Päckchen werden in der Zustellbasis hin- und hergeschoben. Einer der Männer (und es sind heute nur Männer) in Schwarz-Rot-Gelb ist Stefan Heine. Seit 6 Uhr ist der 34-jährige Vater von zwei Kindern (7 und 4 Monate alt) bereits im Dienst, bestückt sein Auto mit bis zu 180 Paketen. Ein Kollege kommt noch schnell mit einer Heckenschere an. Der Karton ist Sperrgut, wird daher im Paketzentrum extra sortiert. Dann macht der Wittorfer die Heckklappen zu. Um 8.10 Uhr fahren wir vom Hof. Bei zwei Grad und Nieselregen geht es heute nach Faldera.

Stefan Heine ist Springer. Er hat keinen festen Bezirk, sondern übernimmt bei Urlaub oder Krankheit den Dienst von Kollegen. Seit sieben Jahren macht er das schon, kennt die Straßen in Neumünster wie seine Westentasche. „Die Tour heute ist ein Traum“, sagt er. Überall in Faldera kann er problemlos am Straßenrand parken, muss nicht wie in der Innenstadt oft auf die zweite Reihe ausweichen und sich deshalb Beschimpfungen von anderen Autofahrern anhören. Die Häuser zwischen Wernershagener Weg und Ehndorfer Straße sind zudem übersichtlich, viele Einfamilienhäuser ohne große Hinterhof-Bebauung.

8.27 Uhr: Der erste Stopp. „Drei Minuten pro Paket für die Zustellung sind geplant“, erklärt Stefan Heine und springt aus dem Auto. Bei 180 Paketen kommen so 9 Stunden zusammen, nur für die Auslieferung. Schon der erste Adressat ist allerdings nicht zu Hause, es dauert länger. Heine klingelt beim Nachbarn. Der nimmt das Paket an. Diese Situation wird sich heute mehrmals wiederholen. Immer mehr Bürger haben aber auch einen sogenannten Ablage-Vertrag. Darin ist bestimmt, wo die Sendung hinterlegt werden soll, wenn der Empfänger nicht da ist – ob im Gartenhaus, auf der Terrasse oder neben den Mülltonnenboxen auf dem Hof. Das alles „weiß“ der Scanner, den Stefan Heine lässig am Gürtel baumeln hat. Das Gerät ist mittlerweile ein unverzichtbarer Hochleistungscomputer. Hier werden alle Daten eingegeben. Auf dem Display quittieren die Empfänger den Erhalt. Anhand des Scanners können die einzelnen Stationen des Transports lückenlos nachvollzogen werden. Auf Wunsch bekommt jeder Postkunde diese Daten auch kostenfrei auf seinen Computer. Übrigens: Gegen den immer wieder erhobenen Vorwurf, Paketboten würden gar nicht erst klingeln, sondern die Sendung einfach aus Faulheit im Auto lassen und nur einen Abholzettel einwerfen, wehrt er sich vehement. „Das bedeutet doch nur Mehrarbeit für uns, weil alles wieder ausgeladen werden muss. Außerdem frustriert es mich, wenn ich mit einem vollen Auto wieder zurück fahre.“

Davon sind wir heute weit entfernt. Nach und nach werden die Regale im Transporter leerer. Alle paar Meter hält Stefan Heine an, springt an der Seitentür raus, rennt zu den Hauseingängen. „Rund zwölf Kilometer mache ich dadurch am Tag und stemme unzählige Kilos. Das spart mir auch das Fitnessstudio“, sagt er. Nagelpflegeprodukte, ein Karton mit Pferdeaufdruck, einige Pakete eines bekannten Internet-Versands sind dabei, dazwischen viele weihnachtlich geschmückte Kartons.

So wie der für Herbert Buschmann. „Frohes Fest“ steht darauf. „Oh, das ist der Stollen, den ich von meinen Verwandten aus dem Erzgebirge bekomme. Früher haben wir immer Zutaten dafür in die DDR geschickt. Die hatten ja nichts. Seitdem bekomme ich jedes Jahr einen leckeren Stollen“, sagt Buschmann. Oder das Päckchen für Jenny Zeller: „Meine Oma schickt mir jedes Jahr ein Überraschungspaket. Das ist super“, sagt sie. Stefan Heine lacht: „Tolle Geschichten.“ Über die Inhalte der Pakete macht er sich sonst wenig Gedanken. Es sei denn, sie sind besonders auffällig. „Ein Kollege hatte neulich eine große Gummipuppe auf seiner Tour dabei. Da schmunzelt man dann schon mal ganz ordentlich.“

In sieben Jahren hat er schon einiges ausgeliefert. Kurios war unter anderem eine Kiste mit etwa 100 Orangen, die Heine in einen fünften Stock liefern musste. „Die bekommt man doch in jedem Supermarkt.“ Auch 13 Pakete Fliesen zu je 31,5 Kilo hatte er für einen Empfänger an Bord. „Heutzutage kann man ja alles im Internet bestellen“, sagt Heine.

Gegen 11.30 Uhr biegt er wieder auf das Gelände des Paketzentrums am Krokamp. 59 Pakete haben wir ausgeliefert. Alle sind wir losgeworden, manche auch beim Nachbarn, aber das ist trotzdem ungewöhnlich. Für mich ist Schluss.

Der Wittorfer Paketbote geht aber in die zweite Runde, belädt noch einmal seinen Transporter. Bis 14.40 Uhr muss er heute ran. „Der Job macht mir Spaß. Man lernt viele Menschen kennen, ist viel an der frischen Luft. Und man bringt den Leuten Freude“, sagt er. Das kann ich heute nur bestätigen.

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