Nortorf : Jetzt gibt es Radkurse für Flüchtlinge

Sie freuen sich auf das Pilotprojekt: Jochen Braune (von links), Petra Fischer, Dietmar Benz, Klaus Schuldt, Hanns Lothar Kaempfe, Jens-Uwe Gnadt, Volker von Mackensen, Elisabeth Pier und Dieter Schlüter.
Sie freuen sich auf das Pilotprojekt: Jochen Braune (von links), Petra Fischer, Dietmar Benz, Klaus Schuldt, Hanns Lothar Kaempfe, Jens-Uwe Gnadt, Volker von Mackensen, Elisabeth Pier und Dieter Schlüter.

In Nortorf beginnt kommende Woche das landesweit einmalige Projekt.

shz.de von
10. Juli 2015, 06:15 Uhr

Nortorf | Als landesweit erste Kommune bietet Nortorf in Kooperation mit der Verkehrswacht Rendsburg und der Polizeidirektion Neumünster einen Fahrradkursus für Asylsuchende an. Ziel dabei ist es, den Menschen den sicheren Umgang mit dem Rad zu ermöglichen, vor allem aber sollen die Verkehrsregeln und Rechtsvorschriften erlernt werden. Denn: Die Zahl der Verkehrsunfälle durch Ungeübtheit nimmt zu. Auf die Beine gestellt hat das Projekt der Freundeskreis der Asylsuchenden im Amt Nortorfer Land (FANL).

Seit gut neun Monaten bieten ehrenamtliche Helfer eine Fahrradwerkstatt im Keller der Gemeinschaftsschule an. Dort können die Flüchtlinge gespendete Räder verkehrstauglich reparieren. „Vor allem geht es dabei aber um die Integration“, sagt Hauptinitiator Dieter Schlüter. Gut 50 Räder konnten durch die hohe Spendenbereitschaft der Bürger im Amt mittlerweile verteilt werden. Damit einher ergibt sich jedoch auch die erhöhte Zahl von Beschwerden, die bei Schlüter und seinen Kollegen bereits eingegangen sind. „Viele der Menschen kennen keine oder andere Verkehrsregeln aus ihren Herkunftsländern.“

„Die Zahl der Verkehrsunfälle durch Ungeübtheit nimmt zu“, bestätigt auch Dietmar Benz, Präsident der Landesverkehrswacht, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht und Leiter der Präventionsstelle der Polizeidirektion Neumünster.

Bereits kommende Woche wird mit dem Projekt in Nortorf gestartet. Über vier Wochen wird 18 Flüchtlingen der sichere Umgang mit dem Zweirad und im Straßenverkehr in Theorie und Praxis beigebracht. Petra Fischer, stellvertretende Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Rendsburg, und Elisabeth Pier, geschäftsführende Vizepräsidentin der Landesverkehrswacht erfreut das Projekt: „Wir stehen zwar noch ganz am Anfang und erarbeiten gerade ein Konzept, aber Ziel ist es, bald flächendeckend Moderatoren im Einsatz zu haben.“

Verantwortlich für den Kursus zeigt sich Jens-Uwe Gnadt. Neben einem Fahrradcheck, motorischen Übungen, Theorie in Verkehrsregeln und Zeichen wird auch eine Fahrradtour durch Nortorf auf dem Programm stehen. Angst vor Verständigungsproblemen habe er nicht. „Ich erläutere den Teilnehmern die Verkehrsregeln und zeige ihnen auch, wie sie sich zu verhalten haben. Und zwar so lange, bis es jeder verstanden hat.“ Gesprochen wird dabei auf Deutsch. „Die Flüchtlinge nehmen alle an Deutschkursen teil. Wenn wir jetzt mit Dolmetschern arbeiten würden oder englisch sprechen, dann wäre das kontraproduktiv“, ist sich Dietmar Benz sicher.

Nach einem bestandenen Test in Theorie und Praxis bekommen die Teilnehmer eine Urkunde und ihren Fahrradführerschein ausgehändigt. Die Kosten für den Kursus betragen gut 400 Euro, die vom Spendenkonto des FANL finanziert werden. „Die Spendenbereitschaft im Amt ist groß“, freut sich Hanns-Lothar Kaempfe, Mitglied im FANL. „Dennoch sind wir weiter auf finanzielle Unterstützung angewiesen.“ Dass man nicht alle Asylsuchenden zu so einem Kursus schicken kann, mache nichts. „Es reicht ja schon, wenn ein Vater dran teilnimmt, der sein Erlerntes an seine Familie weitergibt“, erklärt Dieter Schlüter.

Auch Jochen Braune, Klaus Schuldt und Volker von Mackensen, die sich ebenfalls ehrenamtlich in der Fahrradwerkstatt einsetzen, sind von dem Pilotprojekt überzeugt. Auf der Wunschliste der Gruppe stehen neben weiteren Rädern vor allem auch Flickzeug, Schläuche und Helme.  


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