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Kinderschutzbund : Jetzt eskaliert der Streit richtig

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Verein geht mit juristischen Mitteln gegen seine ehemalige Ehrenvorsitzende Lieselotte Jacobsen vor

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erstellt am 14.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Jetzt geht es beim Kinderschutzbund (KSB) richtig zur Sache: Der Verein geht juristisch gegen seine langjährige Vorsitzende Lieselotte Jacobsen vor. Ein Rechtsanwalt schickte ihr ein umfangreiches Schreiben und forderte sie auf, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Der Vorwurf: üble Nachrede.

Lieselotte Jacobsen hat nach Auffassung der Vereinsführung falsche Behauptungen über den KSB aufgestellt, die ihr künftig verboten werden sollen. In dem Schreiben, das dem Courier vorliegt, werden ihr mehrere Punkte vorgehalten. So soll sie unter anderem künftig nicht mehr behaupten,

> sie werde nicht mehr zu Vorstandssitzungen eingeladen,

> die KSB-Kleiderkammer habe einem Second-Hand-Laden weichen müssen,

> der gesamte frühere Vorstand habe nach Einsetzung des Geschäftsführers Till Pfaff seine Ämter zur Verfügung gestellt,

> ehrenamtlich tätige Vereinsmitglieder seien „regelrecht herausgemobbt“ worden.

> Besonders die Frage von Lieselotte Jacobsen, wo die Spenden blieben und wer sie kontrolliere, hat Vorstand und Geschäftsführung getroffen. Alles laufe absolut ordnungsgemäß; die Kontrolle der Mittelverwendung erfolge auf mehreren Ebenen, erklärt der Anwalt.

Der Brief ist eine Eskalation und der vorläufige Höhepunkt eines langen Streits. Schon seit Monaten gibt es hinter den Kulissen des KSB offenbar erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Ende 2015 erhielten sieben ehrenamtliche Mitarbeiter die schriftliche Kündigung vom KSB. Auf eine Begründung und ein richtiges, klärendes Gespräch warten die sieben Betroffenen bis heute (der Courier berichtete).

Lieselotte Jacobsen, mehr als 20 Jahre lang die Vorsitzende des KSB und dann zur Ehrenvorsitzenden ernannt, hat sich mit den entlassenen Ehrenamtlern solidarisiert und Ende Februar den Ehrenvorsitz niedergelegt. Dabei sparte sie (in einem Courier-Artikel) auch nicht mit Kritik am aktuellen Vorstand und besonders am Geschäftsführer Till Pfaff.

Lieselotte Jacobsen hatte nun bis zum vergangenen Freitag Zeit, die Unterlassungserklärung zu unterschreiben. „Für jeden Fall der schuldhaften Zuwiderhandlung“ sollte sie sich verpflichten, eine Strafe von 10 000 Euro zu bezahlen, so der Rechtsanwalt. Für seine Bemühungen seien 492,54 Euro fällig.

Lieselotte Jacobsen denkt nicht daran, zu unterschreiben. Sie hat ihren Anwalt antworten lassen. „Ich habe nichts zurückzunehmen. Alles, was ich gesagt habe, ist richtig.“

KSB-Geschäftsführer Till Pfaff verteidigte das Anwaltsschreiben auf Courier-Nachfrage als „eine interne juristische Auseinandersetzung. Frau Jacobsen verbreitet unhaltbare Vorwürfe und Unwahrheiten, das müssen wir als Verein unterbinden.“

Kommentar von Thorsten Geil:

Ein fragwürdiger Weg

Eine der meistgestellten Fragen ist seit Wochen: „Was ist bloß beim Kinderschutzbund los?“ Der Verein kommt nicht zur Ruhe. Dabei ist es oft gut, wenn in Firmen oder Vereinen mal neue Leute ans Ruder kommen und frischen Wind bringen. Es mag ja sein, dass der Kinderschutzbund modernisiert werden muss. Aber die Wege, die Vorstand und Geschäftsführer gehen, sind sehr fragwürdig. Man wirft keine Ehrenamtlichen raus, wenn sie nicht goldene Löffel geklaut haben – und das wirft den sieben Ehemaligen niemand vor. Man verklagt auch nicht seine Ehrenvorsitzende! Aber die neuen Wege sind nicht nur fragwürdig. Sie führen vor allem nicht zum Ziel, einen funktionierenden Verein zu haben, der den Kindern hilft. Und um nichts anderes geht es doch im KSB. Oder?

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