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Busverkehr : Jetzt beginnen schwierige Verhandlungen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auch nach der Ratsentscheidung streiten Ratsherren über das voraussichtliche Defizit durch den öffentlichen Nahverkehr. Busfahrer sind erleichtert

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erstellt am 19.Dez.2013 | 06:30 Uhr

Seit dem Ratsbeschluss am Dienstag steht als politischer Auftrag fest: Die Stadtwerke sollen eine eigene Bus-Gesellschaft gründen und den Öffentlichen Personennahverkehr in eigener Regie betreiben und die VHH-Busfahrer übernehmen. Doch wann und wie der Übergang von den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) auf die SWN vonstatten gehen soll, ist derzeit noch eher vage.

Die VHH sind nach dem bestehenden Vertrag noch bis Ende 2015 gebunden und auch Eigentümer der Busse und des auf 30 Jahre an die SWN verpachteten Betriebshofs an der Rendsburger Straße. VHH-Sprecher Martin Beckmann rechnet aufgrund der komplexen Materie damit, dass sich die Verhandlungen bis Mitte 2014 hinziehen werden.

Verhandlungsspielraum ergibt sich für SWN-Sprecher Schmidt aus der Annahme, dass sich die VHH gerne schon vor 2015 zurückziehen wollen. Schmidt: „Wir müssen sehen, was die VHH bietet und was für uns am besten ist.“ Es gebe für die Verhandlungen keinen Zeitdruck.

Zu den Mehrkosten eines eigenen Busbetriebs mochte Schmidt nichts sagen. Auch nicht, ob das Auswirkungen auf die Fahrpreise haben könnte. Schmidt: „Die Nahverkehrstarife gelten in ganz Schleswig-Holstein und werden vom Land genehmigt.“ CDU-Ratsherr Hauke Hahn hatte die Mehrkosten eines eigenen SWN-Busbetriebs am Dienstag in der Ratsversammlung auf 180 000 bis 750 000 Euro pro Jahr beziffert und lieferte sich gestern auf der Facebook-Seite des Couriers eine Debatte mit dem SPD-Ratsherrn Thorsten Klimm. Der bezweifelt, ob der Busbetrieb tatsächlich so defizitär ist wie von manchen behauptet. Für Hahn und auch für den SWN-Aufsichtsratschef und CDU-Ratsherrn Wolf Rüdiger Fehrs ist das jedoch eine allgemein bekannte Tatsache: „Der ÖPNV kann nicht kostendeckend arbeiten, da unterscheidet sich Neumünster nicht von anderen Kommunen.“

Nach Courier-Informationen bewegt sich der aus anderen SWN-Geschäftsbereichen ausgeglichene Verlust in etwa auf Höhe des Defizits im Bad am Stadtwald. Das von den SWN Beteiligungen ausgeglichene Minus lag im Bad laut Geschäftsbericht 2012 bei etwa 3,5 Millionen Euro. Fehrs nannte keine vertraulichen Zahlen. Er geht aber davon aus, „dass es teurer und das Defizit größer wird“.

Das ist für Klaus Brandt, den Sprecher der VHH-Busfahrer, nicht ausgemacht. „Man kann unter der neuen Flagge der Stadtwerke mehr für die Attraktivität des ÖPNV in Neumünster machen“, sagte Brandt, der das Geschehen mit vielen anderen Busfahrern von der Tribüne im Ratssaal aus verfolgte. Mehr Fahrgäste bedeuteten unter dem Strich mehr Einnahmen für die SWN und die Stadt, das Defizit könnte geringer werden. Brandt verwies auf die VHH, die 2012 konzernweit einen Kostendeckungsgrad von 92 Prozent erreicht habe: „Das ist ein sehr guter Wert.“ Den Ratsbeschluss begrüßte er. Brandt: „Die Kollegen sind zufrieden. Das ist das, was wir wollten. Die bei einer Ausschreibung drohenden Glücksritter-Unternehmen sind damit abgewendet.“

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