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Holsteinischer Courier

22. August 2017 | 21:16 Uhr

Neuer Verein : Jemeniten fordern mehr Rechte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Taleb Al-zaje ist Präsident eines neuen Vereins für Menschen aus dem Jemen, der sich für Integration einsetzt.

Neumünster | Es ist ein Krieg, der in Deutschland wenig Beachtung findet, doch er hat ebenso schlimme Konsequenzen wie der in Syrien, Afghanistan oder im Irak. Im Jemen kämpfen seit 2013 schiitische Huthi-Rebellen, Anhänger von Ex-Präsident Ali Abdullah Salih und Mitglieder der Terrororganisation Al-Qaida mit der Armee der Zentralregierung unterstützt von den Separatisten des Südjemen um die Macht. Viele Regionen sind zerstört, viele Menschen auf der Flucht. Doch nur wenige schaffen es aus dem Land am Indischen Ozean nach Deutschland. „Rund 700 leben hier, überwiegend in Schleswig-Holstein, weil das Bundesland für diese Flüchtlinge zuständig ist“, sagt Taleb Al-zaje. Der 44-jährige Vater von vier Kindern aus der Innenstadt ist Präsident der neugegründeten jemenitischen Gemeinde, die ihren Sitz in Kiel haben wird.

„Wir wollen mit dem Verein nicht nur ein Netzwerk schaffen, sondern fordern von der Bundesregierung die gleichen Rechte, wie sie iranische, afghanische, eritreische oder syrische Flüchtlinge bekommen. Dabei geht es vor allem um den Zugang zu Integrationskursen. Denn wir wollen uns in die deutsche Gesellschaft integrieren und sie bereichern. Das wird uns aber oft sehr schwer gemacht“, erklärt der ehemalige Jurist, der seit 2003 in Deutschland und Neumünster ist und hier als Dolmetscher arbeitet. Rund 200 Personen waren bei der Gründungsveranstaltung in Kiel dabei, fast 170 von ihnen wollen dem Verein beitreten. Derzeit läuft das juristische Verfahren für den Eintrag der Gruppe in das Vereinsregister. Parallel werden passende Räume in der Landeshauptstadt gesucht.

Zwei Themen sollen in der jemenitischen Gemeinde laut Al-zaje keine Rolle spielen: Politik und Religion. „Wir sind ausdrücklich keine Glaubensgemeinschaft und wollen Konflikte auf jeden Fall vermeiden“, sagt er. Das Logo spiegelt das wider: zwei ineinander geschlungene Hände, dahinter auf der einen Seite die Flagge des Jemen, auf der anderen Seite die deutsche, im Hintergrund symbolisch drei Leute, die jubeln. „Es ist wichtig, dass wir uns hier organisieren, denn die Zahl der Jemeniten in Deutschland wird steigen. 2008 waren es noch 16 Flüchtlinge, im vergangenen Jahr schon 349“, sagt Taleb Al-zaje. Der Wunsch, den er hat, wird sich nämlich wohl nicht so schnell erfüllen: „Es wäre schön, wenn im Jemen schnell wieder Frieden herrscht. Damit die Menschen dort eine Zukunft haben.“

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erstellt am 07.Dez.2016 | 08:30 Uhr

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