zur Navigation springen

Kita-Gebühren : Jedes zweite Kind zahlt weniger

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Immer mehr Familien fallen unter die Sozialstaffel.

Neumünster | Trotz gut laufender Konjunktur und geringerer Arbeitslosenzahlen bleibt „Armut in Neumünster“ ein Thema. So heißt der erstmals 2014 erstellte Bericht, der jetzt fortgeschrieben wird und am 26. April die Ratsversammlung beschäftigt. Er zeigt in Teilbereichen eine erschreckende Tendenz.

So ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger im Vergleichszeitraum nur leicht um etwa 100 gesunken und liegt immer noch bei gut 10 660 Personen. Bei der Grundsicherung im Alter (also Hartz IV für Rentner) ist die Zahl der Bezieher sogar um 50 auf 1515 gestiegen. Verglichen werden im Bericht die Daten der Jahre 2013 und 2014.

Die Aufwendungen für die Grundsicherung stiegen um eine glatte Million Euro auf 10,1 Millionen Euro. Die Kosten für Miete und Heizung von Hartz-IV-Familien, die die Stadt zu tragen hat, stiegen von 21,5 auf 22,3 Millionen Euro. Beim Paket Bildung und Teilhabe kletterten die Kosten von 800  000 auf rund 905  000 Euro.

Deutlich wird dieser Trend auch in der Sozialstaffel-Ermäßigung bei den Kita-Gebühren. Hier wurde erst zum 1. August 2015 die Beitragssatzung geändert. Im vergangenen Jahr profitierten 51 Prozent der Kinder in den städtischen Kindertagesstätten von den Ermäßigungen der Sozialstaffel. Im ersten Bericht, der das Jahr 2013 betrachtet, waren es 52 Prozent der Kinder. Aber: Gab es 2013 noch für ein Viertel Ermäßigungen und für drei Viertel eine Befreiung von den Kita-Kosten, stieg der Anteil der gänzlich von Kosten befreiten Kinder auf über 91 Prozent. Bezieht man Kitas in freier Trägerschaft mit ein, betrugen die Kosten der Sozialstaffel knapp 1,9 Millionen Euro im Jahr.

Beim Armutsbegriff legt der Bericht die Definition der Organisation OECD zu Grunde. Danach gilt als arm, wer nur über die Hälfte des durchschnittlichen Nettoeinkommens verfügt. Das waren 2014 bei einem Single 817 Euro im Monat. Bei einer Familie mit zwei Kindern sind es 1715 Euro im Monat.

Fast 2450 Kinder unter 15 Jahren erhalten in Neumünster Sozialleistungen; das ist ein Viertel aller Kinder in dieser Altersgruppe. Und bei den älteren Menschen über 65 Jahren bekommen inzwischen mehr als 1600 eine Grundsicherung. „Tendenz steigend“, heißt es im Bericht. Als Folgen dieser „Einkommensarmut“ listet der Bericht auf: „Soziale Ausgrenzung/Isolation“, „geringere Bildungschancen der Kinder“, „keine ausreichend ausgewogene Ernährung“, „schlechterer Gesundheitszustand“ und „geringere Lebenserwartung“.

Der Hoffnungsschimmer: Es gibt ein vielfältiges Netzwerk an Hilfen und Unterstützungsangeboten, das noch enger geknüpft werden soll. In dem Antrag, der erstmals am 12. April im Hauptausschuss, dann am 13. April im Sozial- und Gesundheitsausschuss, am 19. April im Jugendhilfeausschuss und am 26. April im Rat behandelt wird, werden drei Beispiele für eine „Präventionskette“ genannt: Im frühkindlichen Lebensalter ist das das Netzwerk „Frühe Hilfen“, in der Kindheit sind die Familienzentren wichtige Bausteine und für junge Erwachsene die Jugendberufsagentur.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen