Jeder Vierte nutzt den Bildungsgutschein

942 bedürftige Eltern haben bislang einen Antrag gestellt - Ablehnungen sind eher die Ausnahme / Angebot für Kinder wird immer vielfältiger

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20. Mai 2011, 07:35 Uhr

Neumünster | Das vom Bund auf den Weg gebrachte Bildungspaket zur Förderung von Kindern aus Hartz-IV-Familien erfreut sich in Neumünster wachsenden Zuspruchs. Nach Auskunft des Jobcenters wurden in der Stadt bislang für 942 Kinder und Jugendliche die so genannten "Bildungsgutscheine" beantragt - etwas mehr als ein Viertel der rund 3500 Anspruchsberechtigten.

Rund 530 Anträge sind bewilligt. Die anderen sollen in den nächsten Wochen abgearbeitet werden. Im Schnitt müssten Eltern derzeit etwa 14 Tage bis zum Bescheid warten. Weil das Jobcenter bereits ab Februar Anträge entgegennahm, aber erst seit April bewilligen darf, schiebe man noch einen Berg Anträge vor sich her, sagte gestern der stellvertretende Geschäftsführer des Jobcenters, Thorsten Hippe. Das Jobcenter strebe eine Bearbeitungszeit von höchstens einer Woche an.

Die meisten Eltern erhoffen sich eine Unterstützung bei der Mittagsverpflegung in Schule oder Kita (357 Fälle), Gutscheine für Ausflüge (372) oder Gutscheine zur "Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben" (414), die zum Beispiel bei einem Bastelkursus oder im Sportverein verrechnet werden können. 66 Eltern beantragten Unterstützung für die Nachhilfe ihrer Kinder.

Zur besseren Aufklärung haben die Betroffenen einen Infobrief des Jobcenters erhalten, in dem die Details des Bildungspakets erklärt werden. In der Behörde geht man daher davon aus, dass die Eltern inzwischen gut informiert sind. "Wir haben täglich nur noch vier oder fünf Nachfragen", sagt Judith Widell, Teamleiterin im Jobcenter.

Auch auf der Anbieterseite hat die Behörde kräftig getrommelt: Inzwischen gibt es rund 160 Vereine und Einrichtungen vom Sportverein über die VHS bis zum privaten Klavierlehrer, die die Bildungsgutscheine entgegennehmen.

Unsicherheit herrscht offenbar noch beim Punkt Schulbeförderungskosten. Kosten für den Schulbus können bis zur 4. Klasse bei Schulwegen von mindestens zwei Kilometern, ab der 5. Klasse von mindestens sechs Kilometern gefördert werden. Allerdings müssen sich die Eltern je nach Alter der Kinder Eigenanteile anrechnen lassen. Das wird offenbar vielfach noch übersehen: In 42 Fällen hat das Jobcenter Anträge auf die Beförderung abgelehnt, nur 13 Mal genehmigt. In allen anderen Bereichen seien ablehnende Bescheide aber die große Ausnahme, versichert Hippe.

Einer dieser Fälle betrifft die fünfjährige Lisa Gerken (Name geändert) aus Tungendorf. Lisas Mutter bezieht derzeit Hartz IV, ist allein erziehend und hat für ihre Tochter den Zuschuss für den täglichen Mittagstisch in der Kita (in ihrem Fall 27,50 Euro) sowie den Gutschein für die Jazz-Tanzgruppe im Sportverein (monatlich 10 Euro) beantragt. Das Glück des Mädchens ist auch Lisas Pech: Weil ihr Vater 300 Euro Unterhalt im Monat überweist, zieht das Jobcenter diese Summe bei der Berechnung ihres persönlichen Budgets wieder ab. Im Ergebnis stehen Lisa damit rund 70 Euro mehr zur Verfügung, als ihr nach den Hartz-IV-Regeln zustehen. Das Geld wird ihrer Mutter zwar nicht vom Gesamtbudget abgezogen, beim Bildungspaket für die Tochter aber gegengerechnet. Fazit: Lisas Mama muss das Mittagessen in der Kita und den Beitrag im Sportverein auch künftig selbst tragen.

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