Schultheaterfestival : Jeder trägt eine Schuld

Statt Mitleid erregt sie nur Hass: Die apathische  Burgunderprinzessin wird umringt von ihrem Hofstaat.
Statt Mitleid erregt sie nur Hass: Die apathische Burgunderprinzessin wird umringt von ihrem Hofstaat.

Die letzte Premiere im Schultheaterfestival hatte viel Symbolik. Applaus gab es für die Burgunderprinzessin.

shz.de von
19. Juni 2014, 11:00 Uhr

Neumünster | „Du stehst da wie ein Gewissensbiss!“ – Und weil niemand gerne Seelenpein erlebt, muss die Qual verschwinden. Wie ein ganzer Hofstaat versucht, sich dieser zu entledigen, zeigte die Theater-AG der Klaus-Groth-Schule am Dienstagabend in der gelungenen Premiere „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ in der Stadthalle vor etwa 50 Besuchern.

Prinz Philipp will heiraten, entscheidet sich im letzten Moment aber doch nicht für die hübsche Hofdame, sondern für Yvonne. Die ist apathisch und offenbar sehr unglücklich. Aber sie tut niemandem etwas, sagt nichts und rührt sich kaum.

Gerade deshalb wird sie von allen gehasst. Es stellt sich heraus, dass jeder im Hofstaat auf die eine oder andere Art eine schwere Schuld mit sich trägt, die allerdings fein säuberlich in den Katakomben des Bewusstseins versteckt wurde.

Yvonnes Eigenschaftslosigkeit wirkt auf die Umgebung wie eine Projektionsfläche, auf der nun jeder seine verborgenen Sünden sieht.

„Yvonne steckt in jedem. Wir standen vor der Frage, wie wir die Symbolik des Stücks verdeutlichen“, erklärte die Regisseurin Anja Baum, Lehrerin für Darstellendes Spiel, die Herausforderung des Stückes.

Die Lösung leuchtet ein und gehört zu den schönsten Stellen des Stücks: Musikalisch untermalt stehen sich zwei Frauen gegenüber und spiegeln ihre ruhigen Bewegungen. Die eine zieht das auffallende Blumenkleid aus, die andere streift es über und wird damit zur Yvonne.

„Die Spiegelübung ist eine Basisübung im Darstellenden Spiel. Wir konnten sie hier gut verwenden“, erklärt die Regisseurin. Neben dem dreimaligen Kleider- und Identitätswechsel stigmatisieren sich die Figuren eine nach der anderen mit bunten Tüchern über der ansonsten schwarzen Kleidung. „Die Tücher, die von der Bühnenwand abgenommen werden, symbolisieren zum einen die bröckelnde Fassade. Zum anderen will jeder versuchen, seine Scham zu bedecken“, erläuterte Baum.

Genau diese Szenen fanden auch Anklang bei der Zuschauerin Justine Otepka (16) aus Boostedt: „Das Stück ist richtig gut. Besonders gefiel mir, dass die Yvonne von mehreren gespielt wurde, dass also jeder gesündigt hat.“

Das Publikum belohnte das engagierte Spiel der Schüler mit reichlichem Applaus.


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