Schuldneratlas 2014 : Jeder Sechste sitzt in der Schuldenfalle fest

Michael Bretz (links) und Sven Torben Hanisch stellten gestern den Schuldneratlas vor.
Michael Bretz (links) und Sven Torben Hanisch stellten gestern den Schuldneratlas vor.

In der Innenstadt gilt laut der Auskunftei Creditreform sogar jeder dritte Erwachsene als überschuldet

von
30. Januar 2015, 07:00 Uhr

Neumünster | Der stabile Arbeitsmarkt und höhere Löhne lassen auch in Neumünster die Konsumlaune steigen. Oft wird per Ratenkredit gekauft. Dem Kaufrausch folgt der Kater oft mit zeitlicher Verzögerung, wie der aktuelle Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zeigt.

Fast 10  900 Neumünsteraner und damit jeder sechste Einwohner über 18 Jahren gilt danach als überschuldet und kann absehbar seine Verbindlichkeiten nicht bedienen. Damit hat sich das Problem der privaten Überschuldung wieder verschärft.

Mit einer Schuldnerquote von fast 17 Prozent (2013: 16,6 Prozent) liegt Neumünster in der bundesweiten Rangliste negativ weit vorne auf Platz 6. Schlechtere Quoten haben nur noch Halle/Saale (17,3 Prozent),, Wuppertal (17,8), Offenbach (18), Pirmasens (18,3) und Bremerhaven mit 20,4 Prozent.

Betrachtet man die Stadt getrennt nach Postleitzahlbereichen, zeigt sich eine große Spreizung. Und die Polarisierung hat sich dabei noch verstärkt. Brennpunkt der Überschuldung ist und bleibt die Innenstadt. Hier stieg die Schuldnerquote um fast einen Prozentpunkt auf knapp 32 Prozent. Das heißt: Hier ist jeder dritte Erwachsene im vergangenen Jahr mit harten Überschuldungskriterien wie Pfändungen oder Privatinsolvenzen oder weichen Kriterien wie Mahnungen mehrerer Gläubiger konfrontiert gewesen.

Im PLZ-Bereich 24539 (Gadeland, Ruthenberg, Wittorf) sank die Quote leicht um 0,2 Punkte auf 9,9 Prozent. Die Stadtteile mit einer 24536 (Tungendorf, Einfeld, Brachenfeld) liegen bei 12,4 Prozent (+0,2 Prozentpunkte), der PLZ-Bereich 24537 mit der Böcklersiedlung, Faldera und der Gartenstadt liegt bei 13,5 Prozent, ein Plus von 0,5 Prozentpunkten.

„Die schlechten Stadtteile werden schlechter, die guten besser“, sagte Michael Bretz. Der Neusser ist Leiter der Witschaftsforschung bei Creditreform und stellte gestern mit Neumünsters Creditreform-Chef Sven Torben Hanisch die Zahlen vor. Von einer „Ghettoisierung“ wollte Bretz nicht reden. Aber: „Da können Regionen ins Abseits geraten“, sagte Bretz.

Hauptursache einer Überschuldung ist immer noch der Verlust des Arbeitsplatzes. Befragungen bei Schuldnerberatungsstellen und Sozialämtern bestätigten jedoch den Trend, dass mangelnde Finanzkompetenz und unvernünftiges Konsumverhalten auf dem Vormarsch sind. Durch negative Vorbilder werden Schuldnerkarrieren heute in manchen Familien regelrecht vererbt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen