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Schuldneratlas : Jeder Sechste Neumünsteraner ist überschuldet

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünster ist im Schuldneratlas der Auskunftei Creditreform weiter Schlusslicht in Schleswig-Holstein. Brennpunkt bleibt die Innenstadt

Fast 10 600 Menschen in der Stadt konnten im vergangenen Jahr ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Damit ist jeder sechste Neumünsteraner über 18 Jahren überschuldet, die Stadt weiterhin vor Flensburg und Lübeck „Schuldenhauptstadt“ in Schleswig-Holstein. Die Zahlen gab gestern die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem Schuldneratlas bekannt.

Zwar sank die Überschuldungsquote marginal von 16,65 auf 16,61 Prozent, doch damit belegt Neumünster auch bundesweit einen Rang ganz hinten. Schlechter stehen nur die Städte Halle (Saale) mit einer Quote von 17,6 Prozent, Pirmasens (17,73), Wuppertal (17,9), Offenbach (18,6) und das nationale Schlusslicht Bremerhaven mit 19,8 Prozent da. In Schleswig-Holstein beträgt die Quote 10,9 Prozent, in Deutschland liegt sie bei 9,8 Prozent. Innerhalb Neumünsters gibt es dabei eine breite Spreizung: In der Innenstadt ist die Überschuldungsquote mit 30,7 Prozent drei Mal so hoch wie in den Stadtteilen Gadeland, Ruthenberg und Wittorf (10 Prozent). Crediteform differenziert nach Postleitzahlen. Danach folgen Brachenfeld, Einfeld und Tungendorf (PLZ 24536) mit 12,2 Prozent und die Böcklersiedlung, Faldera und die Gartenstadt (PLZ 24537) mit einer Quote von 13 Prozent.

„Arbeitslosigkeit ist nach wie vor die Hauptursache für Überschuldung“, sagte Michael Bretz. Der Neusser leitet die Wirtschaftsforschung beim Verein Creditreform. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung habe dieser Auslöser ebenso wie eine gescheiterte Selbstständigkeit aber an Bedeutung eingebüßt. Um so stärker kommen Faktoren wie unvernünftiges Konsumverhalten, Krankheit, Sucht oder ein Unfall zum Tragen. Auch nehme die Zahl der älteren und jungen Schuldner zu. „Die Bereitschaft, Konsum auf Pump zu finanzieren, wächst“, sagte Michael Bretz.

Vor allem kurzfristige Ratenkredite sehen Experten wie Sebastian Steffens von der Sparkasse Südholstein durchaus kritisch. „Die Neigung, auch für kleine Summen einen Kredit aufzunehmen, steigt“, sagte Alis Rohlf von der Koordinierungsstelle der Schuldnerberatungen im Land. „Auch sogenannte Null-Prozent-Finanzierungen sind gefährlich. Sie können schnell über den Kopf wachsen“, sagte Neumünsters Creditreform-Chef Sven Torben Hanisch.

Bretz machte beide Pole deutlich: Neben der konsumgetriebenen gebe es auch die Armuts-Überschuldung bei durchaus solider Lebensweise durch steigende Wohn- und Energiekosten. Bei prekären Erwerbsbiografien baue sich schnell eine schwierige Situation auf. Auffällig sei schon jetzt eine deutliche Zunahme von Personen mit „harten“ Überschuldungskriterien wie einer Privatinsolvenz oder einem Inkasso. In Neumünster beträgt ihr Anteil schon 60 Prozent.

 

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erstellt am 17.Jan.2014 | 06:15 Uhr

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