Schuldneratlas : Jeder Sechste ist überschuldet

Michael Bretz (links) und Sven Torben Hanisch von dre Auskunftei Creditreform stellten dne Schuldneratlas für Neumünster vor.
Michael Bretz (links) und Sven Torben Hanisch von dre Auskunftei Creditreform stellten dne Schuldneratlas für Neumünster vor.

Neumünster ist die Schuldenhochburg in Schleswig-Holstein.

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29. Januar 2016, 09:45 Uhr

Neumünster | Bei den Themen Arbeitsmarkt und Hartz IV hat die Stadt Boden gutgemacht. Dennoch bleibt Neumünster die Schuldenhochburg des Landes. Die Zahl der Verbraucher, die ihre Verbindlichkeiten und Kredite nicht bedienen können, ist sogar noch einmal gestiegen: Jeder sechste Neumünsteraner gilt als überschuldet, insgesamt sind es fast 11000 Menschen.

Das zeigt der gestern vorgestellte Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Bezogen auf die erwachsene Bevölkerung erhöhte sich die Schuldnerquote in Neumünster von 16,94 auf 17,09 Prozent. Das ist auch deutschlandweit ein negativer Spitzenplatz: Schlechter stehen nur noch Halle/Saale (17,13 Prozent), Wuppertal (17,97 Prozent), Offenbach (18,01 Prozent), Pirmasens (18,43 Prozent) und Schlusslicht Bremerhaven (20,82 Prozent) da.

Die Schuldnerdichte ist regional sehr unterschiedlich in der Stadt verteilt. Creditreform differenziert hier nach Postleitzahlen. Am höchsten ist die Überschuldung in der Innenstadt, die eine Schuldnerquote von fast 33 Prozent aufweist. Das heißt: Hier gilt sogar jeder Dritte als überschuldet. Am geringsten ist die Quote in Gadeland, Ruthenberg und Wittorf (PLZ 24539) mit 9,75 Prozent. In Einfeld, Tungendorf und Brachenfeld (PLZ 24536) liegt sie bei 12,33 Prozent, in der Böcklersiedlung, Faldera und der Gartenstadt (PLZ 24537) bei 13,66 Prozent.

„Die Einkommen haben sich verbessert, das Zinsumfeld ist günstiger geworden. Das ist auch eine Verlockung“, versuchte Michael Bretz, der Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, eine Erklärung, warum trotz guter Wirtschaftsdaten die Überschuldung in Neumünster gestiegen ist. Unwirtschaftliche Haushaltsführung und Konsum auf Pump sind auf dem Vormarsch und nach Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung/Tod und Erkrankung/Sucht/Unfall einer der Hauptgründe für Überschuldung. Andrea Dobin von der Schuldnerberatung nannte den Kauf per Ratenkredit über das Internet als Beispiel. „Es scheint alles so einfach. Man greift zu – und sitzt in der Schuldenfalle“, sagte sie. „Vielen Verbrauchern fehlt es an finanzwirtschaftlicher Reife“, betonte Tim Ramsl von der Sparkasse Südholstein.

Michael Bretz machte auf zwei bedenkliche Trends aufmerksam. So haben bereits sechs von zehn der überschuldeten Neumünsteraner Einträge bei Gericht oder ähnliche Probleme. Auch bei „weichen“ Kriterien wie Mahnungen unterschiedlicher Gläubiger sind die Zahlen gestiegen. Und die Überschuldung im Alter nimmt auch in Neumünster markant zu. 
 

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