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Holsteinischer Courier

23. Oktober 2017 | 03:06 Uhr

Jeder ist ein transparenter Mensch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 27.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Also ehrlich: hört man sich die Kommentare der Datenschützer an oder die letzten Enthüllungen aus dem frostigen Moskau, dann ist wohl jedermann – bin auch ich – ein transparenter Mensch geworden. Nicht nur das ärztliche Röntgengerät macht mich durchsichtig, sondern auch die Überwachungskamera an der Straßenecke oder mein Handy, das jederzeit als Wanze meine Gespräche weiterleiten könnte. Es ist zum Fürchten.

Und noch furchtbarer ist, dass in der Industrie die neueste Technik von anderen Industrien ausspioniert wird und dass sich „Trojaner“ wie Agenten in die Regierungen und Kriegsministerien einschleusen. - Und weder Schutz noch Rettung ist in Sicht – zumal man ja auch gar nicht ahnen kann, was da schon alles von mir und meinem Schwarzgeld und meinen „Leichen im Keller“ erfasst und gespeichert worden ist. – Gibt es denn da kein Entrinnen, keine Flucht in eine saubere Parallelwelt?

Ich finde, eigentlich doch. Denn wie wäre es, wenn wir – wie früher auf dem Dorf – jeder von jedem alles wüssten, wir also nicht in Konkurrenz sondern in Gemeinschaft leben würden? Als Einzelner möchte man sich dann ja nichts zu Schulden kommen lassen und auch aus dem gemeinsamen Topf keine unangemessenen Vorteile „abzocken“. Zusätzliche Kameras und Lifestream-Mitschnitte wären dann nichts Schlimmeres als heute die Veröffentlichungen des aufdeckenden Journalismus’. Und eine solche Datenerfassung (wenn sie denn nicht einseitig ist) würde niemandem konkret schaden oder nützen. Sie würde im globalen Dorf also bald unterbleiben und höchstens von jenen weiterbetrieben, die nicht gemeinschaftsfähig sind.

Übrigens würde Industrie-Spionage in einer Solidarwelt auch nichts mehr bringen, denn jeder Erfinder und Hersteller begriffe sich als Teil des Gemeinwesens. Nichts muss also geheim gehalten werden.

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