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Mehr Besucher : Jahrmärkte sind wieder im Aufwind

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ludolf Fock, Vorsitzender des Schaustellerverbands, beobachtet eine „kleine Renaissance“.

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erstellt am 30.Apr.2016 | 17:00 Uhr

Neumünster | Es gibt Zeiten, die wird Ludolf Fock in schlechter Erinnerung behalten. Die Euro-Umstellung im Jahr 2002 war eine solche Phase. Für den langjährigen Schausteller und aktuellen Vorsitzenden des Schaustellerverbandes brachen damals harte Zeiten an. „Geld, das die Menschen auf dem Jahrmarkt ausgeben, ist Geld, das sie übrig haben müssen. Und damals hatten alle das Gefühl, sie kriegen nur noch die Hälfte und müssen das Doppelte bezahlen“, erinnert sich der 55-Jährige.

Auch in den vergangenen Jahren beklagten viele Schausteller Umsatzeinbußen. Doch inzwischen wandelt sich der Trend – sehr zur Freude von Ludolf Fock. „Wir waren in der vergangenen Woche in Kiel, und vor allem an den Wochenenden war der Platz rappelvoll. Selbst als das Wetter einbrach, sind die Leute gekommen“, berichtet der Neumünsteraner. Auch die Frühjahrsmärkte in Flensburg, Heide und Rendsburg waren laut Fock gut besucht: „Viele besinnen sich wieder darauf, dass man unter Menschen gehen muss, wenn man Menschen treffen möchte.“

Die Freude an seinem Beruf ist Ludolf Fock auch nach Jahrzehnten noch anzumerken. Schon seine Eltern und Großeltern waren im Schaustellergeschäft, betrieben unter anderem die „Raketenfahrt zum Mond“ und den „Polarexpress“. 1995 übernahm Fock die Firma seiner Mutter und schaffte sich 1999 einen nagelneuen Autoscooter an, den er heute neben einem Crêpes-Stand betreibt.

Vieles hat sich im Laufe der Jahre geändert: Die Kosten, beispielsweise für Strom, Wasser und Werbung, sind gestiegen, die behördlichen Auflagen deutlich strenger geworden. Die Neuanschaffung von Karussells ist schwieriger geworden, weil die Industrie in diesem Bereich laut Fock „völlig am Boden“ ist. Zudem hat sich der Konkurrenzkampf massiv verschärft. Die Vielzahl an Freizeitangeboten macht auch den Schaustellern zu schaffen. „Die Leute können den Euro nur einmal ausgeben, aber die Möglichkeiten sind viel mehr geworden“, sagt Fock.

Und dennoch beobachtet der 55-Jährige, dass der Besuch des Jahrmarkts für viele immer noch ein kleiner Höhepunkt ist: „Wir stellen vor allem fest, dass immer mehr Großeltern mit ihren Kindern vorbeikommen. Familien sind einfach unsere Zielgruppe.“

Ob seine eigene Familie das Geschäft irgendwann übernehmen wird, steht bislang noch in den Sternen. Ludolf Focks Tochter Elaine ist zwölf Jahre alt, Sohn Paul sechs. „Ob die beiden mal Schausteller werden, ist ihre freie Entscheidung“, sagt Ludolf Fock. Es wäre die vierte Generation der Familie, die Woche für Woche durch die Lande zieht, um den Menschen mit ihren Attraktionen Freude zu bereiten.

Der Frühjahrsmarkt findet von Freitag, 6. Mai, bis einschließlich Montag, 9. Mai, auf dem Jugendspielplatz an der Carlstraße statt. Die Preise sind gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. Freitag bis Sonntag öffnen die Fahrgeschäfte und Buden von 14 Uhr bis 23 Uhr und am Montag von 14 Uhr bis 22 Uhr. Zudem wird als Besonderheit der Familien-Aktionstag am Montag angeboten. 

 

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